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Aufsatz: Dschihad, Dhimmi, Tötungs- und Bekämpfungsvers
30.01.2011 10:09:23

         Das Vermächtnis des Propheten




- Dschihad, Dhimmi und sūrat(u) t-tawbah:5 u. 29 [9:5 u. 29] -




Dr. Thomas Tartsch




In Erinnerung an den im Juli 2010 verstorbenen Orientalisten Dr. Rainer Glagow




1. Einführung




Der Dschihad wurde und wird seit über 1400 Jahren religiös legitimiert und auf Grundlage juristischer Ausarbeitungen des jus ad bellum und des jus in bello der islamischen Rechtsschulen geführt.[1]




Dieses Grundwissen sollte gerade in der Orientalistik und Islamwissenschaft bekannt sein, wird aber im Rahmen der zunehmenden Politisierung dieses Fachgebietes immer mehr vor dem Hintergrund des Zwanges zur politischen Korrektheit und der Angst um die eigene Karriere und der Bewilligung von Forschungsgeldern von einem Islambild einer idyllischen Symbiose von sexueller Imagination (Harem) und Folklore (Dampfbad) verdrängt.




Das Ergebnis dieses wissenschaftlichen Zerfallprozesses sieht man in Deutschland in Gestalt der HAMAS hofierenden „Nahostexperten“ und der islamwissen­schaftlichen Märchentante, die als persische Reinkarnation von Scheherazade das iranische Regime bis zur Stufe des geistigen Komas schönredet. Andere Auswüchse sind die in den letzten Jahren in Nordrhein-Westfalen und Berlin, mit finanzieller Unterstützung des jeweiligen Landes und unter Mitarbeit einer einschlägig bekannten islamischen Religionspädagogin (NRW) und eines einschlägig bekannten Islamwissenschaftlers (Berlin), erstellten Handreichungen für Lehrer im Umgang mit muslimischen Schülern. Lehrkräfte werden so zu Handlangern der Einführung schariatischer Grundsätze, wie der rigiden Geschlechtertrennung an Schulen, durch verordnete Toleranz gegenüber dem Kopftuch, getrennten Sport- und dem Burkini im Schwimmunterricht, degradiert.




Der im Sommer 2010 viel zu früh verstorbene Orientalist Dr. Rainer Glagow hatte mir gegenüber vor gut anderthalb Jahren geäußert, dass es unter den jüngeren Islamwissenschaftlern keine herausragende Persönlichkeit mehr gibt, da schon die an den Universitäten vermittelten sprachlichen Fähigkeiten nicht mehr ausreichen, um grundlegendes arabisches Quellenstudium zu betreiben. Dieser Einschätzung kann man heute mehr denn je zustimmen. Wo gibt es zum Beispiel im Westen an den Universitäten islamwissenschaftliche Seminare, die sich ausführlich mit den Dschihadlehren beschäftigen und diese lehren?




Schon das Thema „Dschihad“ wird von der heutigen Orientalistik und Islamwissenschaft primär auf den spirituellen Kampf gegen die eigenen schlechten Eigenschaften (Dschihad an-Nafs) als „großer Jihad“ verkürzt, was jeden, der auch nur in Ansätzen die arabisch-osmanische Expansionsgeschichte von der Schlacht bei Badr 624 A.D. bis zur zweiten Belagerung von Wien 1683 A.D. kennt, zu zynischen Kommentaren reizt, die hier ausgespart werden.[2]




Die Schlacht bei Badr am 17. Ramadan 2 A.H. (17.03.624 A.D.) stellt insoweit die Initialzündung des gewaltsamen kleinen Dschihad dar, da die sich aus einem Raubüberfall auf eine unbewaffnete Karawane der Makkaner durch den Propheten entwickelnde Schlacht für die zahlenmäßig unterlegenen Muslime durch das direkte Eingreifen von Allah und 5000 seiner Engel zu einem Sieg führte. So sūrat(u) l-ʿim'rān:125 [3:125].




2. Dschihad im sunnitischen Islam




Somit sollen hier in konzentrierter Form grundlegende Kenntnisse der Dschihadlehren im sunnitischen Islam vermittelt werden, da der virulente gewaltsame Dschihadismus sunnitisch geprägt ist. Die überwiegende Zahl der in Europa lebenden Muslime hat ebenso wie die Nichtmuslime in der Regel keine oder nur marginale Kenntnisse über diese Lehren, sondern folgt dem, was etwa der Imam oder Hodscha in der Moschee predigt oder was in Koranschulen und vermehrt in salafitischen Islamseminaren vermittelt wird.




Bekanntlich beinhaltet Dschihad nicht die Grundbedeutung „Heiliger Krieg“, da alles Heilige allein der spirituellen Autorität Allah zusteht, sondern er bezeichnet im Kontext des schariatischen Rechts die äußerste Anstrengung auf dem Weg Allahs (al-Dschihad(u) fi sabil Illah), um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, welches auch in gewaltsamer Weise zu verstehen ist. In den islamischen Rechtsbüchern meint der Begriff Dschihad, wie im Koran, den bewaffneten Kampf gegen die Ungläubigen, wobei teilweise der „Dschihad des Schwertes“ als „kleiner Jihad“ und friedvollere Formen als „großer Dschihad“ bezeichnet werden.[3] Damit kann die Pflicht zum Dschihad erfüllt werden durch das Herz, die Zunge und die Hände, aber auch durch das Schwert.[4]




Im Koran kommt dschhâhada in diversen Verbformen und dem daraus abgeleiteten Substantiv dschihâd fünfunddreißig Mal vor, und zwar neunundzwanzig Mal in der Bedeutung „Dschihad auf dem Wege Gottes“ – gemeint ist mit der Waffe in der Hand – und zweimal als reine „Bemühung, Anstrengung“, um sich bösen Gelüsten oder Verführungen entgegenzustemmen, was als der „größere Dschihad“ gilt.[5]




Die überwältigende Mehrheit der klassischen Theologen, Juristen und Traditionarier verstanden Dschihad im militärischen Sinn, der der Lehre nach zu den Grundgeboten des Glaubens gehört und eine Verpflichtung darstellt, die allen Muslimen durch die göttliche Offenbarung auferlegt wurde.[6]




So ist nach sūrat(u) l-ḥujurāt:15 [49:15] die Bereitschaft, den Dschihad zu kämpfen, ein Kennzeichen edler muslimischer Frömmigkeit, die mit dem Glauben an Allah und das Prophetentum Muhammads vergleichbar ist.[7]




Der Dschihad als Kampf zur Ausbreitung des Glaubens wird dabei bis zum Ende aller Tage andauern.[8] Aufgrund der mit dem Dschihad verbundenen eschatologischen Tendenz ist der Muslim dann nicht mehr zum Dschihad verpflichtet, wenn alle Menschen sich zum Islam bekennen oder die vorgeschriebenen Unterwerfungsgesten und –praktiken vollzogen haben.[9] Das gilt vor allem für den Dschihad gegen die Juden, was ein einschlägig bekannter Hadith aus dem Werk von al-Buchari (gest. 870 A.D.) verdeutlicht:[10]




'Abdullah Ibn 'Umar, Allahs Wohlgefallen auf beiden, berichtete, daß der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: "Ihr werdet gegen die Juden solange kämpfen, bis sich der eine von ihnen hinter einem Stein versteckt und dieser (Stein) spricht: »Du Diener Allahs, hier ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt, so töte ihn.«"




[Sahih Al-Bucharyy Nr. 2925]




Entgegen der im „Dialog“ immer wieder repetierten Unwahrheit der Anbetung der angeblich gleichen spirituellen Autorität Gott und Allah werden Juden und Christen nach islamischer Lehre nicht als gleichberechtigte Religionen angesehen.




Vielmehr haben die entsprechenden koranischen Offenbarungen, die mit den Juden besonders hart ins Gericht gehen, für die Zukunft bis heute das Gesamtbild der Muslime von den „Schriftbesitzern“ als allenfalls „Halbgläubige“, die an der ihnen zuteil gewordenen Offenbarung Gottes Veränderungen vorgenommen haben, entscheidend mitbestimmt.[11] So ist etwa der heute sich im Westen überall ausbreitende islamische eliminatorische Judenhass, der sich vermehrt mit dem politisch primär linksextremen Antisemitismus des „Antizionismus“, wie bei den Hass­demonstrationen Anfang 2009 in Deutschland und im Juni 2010 in Wien verbindet, religiös unterfüttert.




Schriften wie der Essay „Unser Kampf gegen die Juden“ des 1966 hingerichteten und bis heute rezitierten Theoretikers der Muslimbruderschaft Saiyid Quṭb schüren diesen Judenhass. Quṭb gelang es mit dieser vordergründig „rein islamisch“ argumentierenden Schrift, den europäischen Antisemitismusexport mitsamt seinen verschwörungstheoretischen Implikationen mithilfe von Versatzstücken aus der islamischen Geschichte und der islamischen Rechtstradition zu synthetisieren, womit das Bild des „ewigen Juden“ in seiner islamistischen Spielart entstand.[12]




Neben religiösen erfolgte auch aus politischen Gründen zwischen 624 A.D. – 628 A.D. die Vertreibung der damals ansässigen jüdischen Stämme der Banu Qainuqa und Banu Nadir, sowie die Exekution aller männlichen Angehörigen der Banu Quraiza und die Versklavung der Frauen und Kinder, die als Kriegsbeute unter den Muslimen aufgeteilt wurden. Mit dem Feldzug gegen Chaibar wurde der letzte eventuelle jüdische Widerstand gebrochen, und die Bewohner durften gegen jährliche Zahlung der halben Ernteerträge verbleiben. Der heute auf den Hassdemonstrationen immer wieder zu hörende Spruch „Chaibar, Chaibar, ya yahud, dschaisch Muhammad saya'du (Chaibar, Chaibar, oh ihr Juden! Muhammads Heer kommt bald wieder!)“ erinnert an die Ereignisse von Chaibar und droht mit der Vernichtung Israels und einer zweiten Schoah, was von der jeweiligen Justiz strafrechtlich nicht verfolgt wird. In Deutschland wurden etwa öffentliche Sympathiebekundungen für die HAMAS während einer islamisch-linksextremistischen Hassdemonstration Anfang 2009 in Recklinghausen/NRW von der ermittelnden Staatsanwältin unter den Schutz von Art.5I GG gestellt.[13]




Paret führt hierzu aus, dass die Juden in Madina für den Propheten und seine Parteigänger jederzeit, und insbesondere bei einer Bedrohung durch auswärtige Gegner, gefährlich werden konnten.[14] Ob diese Handlungsweise der Ausschaltung der potentiellen Gefahr durch die starken jüdischen Stämme in Yathrib (dem heutigen Madina in Saudi-Arabien) durch Muhammad schon langfristig geplant war, wird unterschiedlich beurteilt. Ein Indiz für diese Möglichkeit ist die kurz nach der Hidschra entstandene und als „Charta von Madina“ bekannte vertragliche Regelung der Beziehungen der verschiedenen Gruppen in Yathrib, in der mit keinem Wort die drei jüdischen Stämme erwähnt werden.[15]




Eroberungskriege (futûh) wurden ebenso als Dschihad aufgefasst wie die alljährlichen Raub- und Beuteexpeditionen (Ghazwat = Razzien) an der Grenze oder Sklavenjagden.[16] Wer sich hier hervortrat, erhielt den Ehrentitel „Ghazi“ (türk. Gazi), der auf den besonderen Einsatz im Glauben hinwies.




Da nach dem islamischen Prinzip des Fitra jeder Mensch bei seiner Geburt und gemäß seiner Natur ‎ ein Muslim ist, werden die Eroberungszüge im Rahmen des Dschihad oft auch als Futuh (Öffnungen) bezeichnet, weil die unterworfenen Gebiete geöffnet wurden, damit neben der Beuterlangung und der Tributzahlung die Andersgläubigen zur wahren Rechtleitung konvertieren konnten.




Nach islamischer Rechtslehre ist die Welt geteilt in das Dar(u) l-Islam und das Dar(u) l–Harb, da die Menschheit geteilt ist in die Gruppen „Muslime“ und „Nichtmuslime“.[17] Die Einteilung in das Haus des Islams (wo die Scharia in ihrer Gesamtheit gilt) und das Haus des Krieges (alle übrigen Gebiete) geht auf keine Textstelle im Koran oder in der Sunna zurück. Sie stellt vielmehr das Ergebnis des Idschtihad (Auslegung) der Rechtsgelehrten dar, um den Zustand, in dem sich die Muslime in der Expansionsphase befanden, zu beschreiben, und um rechtliche Bestimmungen für diesen Zustand zu schaffen.




Hiernach befindet sich das Dar(u) l-Islam in einem permanenten Kriegzustand mit dem Dar(u) l-Harb, der zu einer rechtlichen Normalsituation wird, da der Dschihad bis zum endgültigen Sieg geführt werden muss, da die islamische Rechtstheorie nur von der temporären Existenz souveräner Staaten im Dar(u) al-Harb ausgeht. Selbst die Möglichkeit einer Hudna, eines Waffenstillstandes aus taktischen Gründen für die Vorbereitung zu weiteren Kampfhandlungen für eine begrenzte Zeit nach dem Vorbild des Sulh al-Hudaibiya (Friedensvertrag von Hudaibiya) 628 A.D./6 A.H. zwischen Muhammad und den makkanischen Quraisch, verliert ihre Gültigkeit, wenn die Situation für die Muslime günstig ist, den Dschihad weiter auszuüben. Der Grund liegt in der islamischen Rechtslehre, nachdem es keinen Frieden zwischen dem Dar(u) l-Islam und dem Dar(u) l-Harb geben kann.




Die Harbis, Bewohner des Dar(u) l-Harb, können getötet, vertrieben, versklavt und ihre Besitztümer als Kriegsbeute genommen werden. Entgehen können die Harbis diesem Schicksal nur durch Konversion oder der Anerkenntnis muslimischer Herrschaft als Bürger zweiter Klasse (Dhimmi). Ansonsten kann ein Harbi nach klassischer islamischer Rechtslehre das Dar(u) l-Islam nur aufgrund eines zeitlich befristeten Aman (Schutzvertrag) betreten, womit er zu einem Musta’min wird, der rechtlich zwischen dem Status des Harbi und des Dhimmi angesiedelt ist.




Eine dritte schariarechtliche Konstruktion, die unter anderem von der schafiitschen Rechtsschule vertreten wird, ist das Dar(u) l-Ahd (Land, mit dem ein Vertrag eingegangen worden ist) bzw. Dar(u) s-Sulh (Land, mit dem ein Friedensvertrag eingegangen worden ist): Darunter fallen all jene nichtmuslimischen Länder, deren Einwohner mit den Muslimen einen Friedensvertrag eingegangen sind, ohne dass jedoch von ihnen die Dschizja (der Tribut) genommen wird. In diesen Ländern werden also nicht die Bestimmungen des Islams erfüllt, wodurch sie folglich nicht zum Dar(u) l-Islam gehören, die Einwohner dieser Länder befinden sich jedoch mit den Muslimen nicht im Kriegszustand, weswegen diese Länder auch nicht zum Dar(u) l-Harb gehören.




Vielmehr werden die Muslime angewiesen, sich an die Rechtsbestimmungen im Sinne eines Vertrages zu halten, solange sie die Ritenpraxis ausüben können, Rechtssicherheit besteht und Da´wah (Missionierung) betrieben werden darf, was für Angehörige anderer Religionen im Dar(u) l-Islam nicht gestattet ist. Aber auch das Dar(u) l-Ahd ist nach Ansicht eines quantitativ schwer zu schätzenden Anteils im Westen lebender Muslime nur eine Übergangsstufe, in der schrittweise die Scharia in ihrer Gesamtheit (Ritenpraxis: al-’ibadat und rechtlicher Teil: al-mu’amalat) eingeführt werden muss, da es bei entsprechender muslimischer Bevölkerungsmehrheit dazu verurteilt ist, Teil des Dar(u) l-Islam zu werden. Alle westlichen Länder befinden sich derzeit nach Ansicht dieser Muslime in einer Übergangsstufe, was von den jeweiligen politisch und gesellschaftlich Verant­wortlichen in einer Mischung aus Ignoranz, rationaler Wählerstimmenmaximierung muslimischer Wähler und Unwissenheit nicht erkannt wird oder werden will.




Der ausgeübte Dschihad selbst kann dabei viele Formen annehmen: Aufstand, Invasion, Nachbarschaftshilfe, Selbstverteidigung und Guerillaaktionen.[18] Denn auch wenn der Dschihad prinzipiell einen offensiven Charakter besitzt, ist Dschihad ebenso im Fall der Verteidigung gegen Aggressoren gegeben.[19]




Die hanafitische Rechtsschule und einige Fuqaha (Rechtsgelehrte) der hanbalitischen und malikitischen Rechtsschulen teilen diese Sichtweise der alleinigen Erlaubnis des Dschihad gegen Angreifer. Gleichwohl hat die schafitische Rechtsschule gemeinsam mit anderen Fuqaha der malikitschen und hanbalitischen Rechtsschulen die Angehörigkeit zu einem Glauben außerhalb des Islam als ausreichenden Kriegsgrund angesehen.[20]




Der Dschihad selbst ist dabei nach der Scharia nicht eine Pflicht (Fard oder Wadschib), die Allah direkt jedem Muslim als individuelle und nicht delegierbare Pflicht (Fard al-Ayn) auferlegt hat. Aber es müssen genügend Muslime als Muschahidun (die den Dschihad Ausübenden) innerhalb der Umma (islamische Gemeinschaft), die im Koran nach sūrat(u) āl-ʿim'rān:110 [3:110] als „die beste Gemeinschaft“ bezeichnet wird, dieser Pflicht nachkommen, wozu die jeweilige islamische Obrigkeit die Voraussetzungen schaffen muss. Das ist die Rechtsfigur der Fard al-Khifaya (Pflicht der genügenden Anzahl). Die Fard al-Khifaya ist eine ständige Pflicht, und das Endziel des Kampfes „auf dem Weg Gottes“ wird erst erreicht, wenn auch das Gebiet der Feinde dem Gebiet des Islams angegliedert wird, wenn der Unglaube endgültig ausgerottet ist und sich die Nichtmuslime der Oberherrschaft des Islam unterwerfen.[21]




Kommt die islamische Obrigkeit dieser Pflicht nicht nach, sind „glaubensstarke Muslime“ aufgerufen, den Dschihad auszuüben.




Wird das Dar(u) l-Islam angegriffen oder besetzt, dann wandelt sich die Pflicht zum Dschihad wie die Ritenpraxis der „5 Säulen des Islam“ in eine nicht delegierbare Individualpflicht (Fard al-Ayn). Dieser muss im Grundsatz jeder Muslim nachkommen, was nach Ansicht nicht weniger islamischer Gelehrter auch Frauen und Kinder umfasst, obwohl nach einem Prophetenwort die Hadsch (Pilgerriten) der Dschihad der Muslima ist.[22]




Wann ein Angriff auf das Dar(u) l-Islam oder die Umma gegeben ist, entscheiden ebenfalls glaubensstarke Muslime selber, die sich dazu berufen fühlen und selbständig ohne Erlaubnis einer religiösen Autorität den Dschihad ausüben.




Das Buch „ar-Risalah“ des malikitischen Rechtsgelehrten Ibn Abi Zayd al-Qairawani (gest. 997 A.D.) führt dazu aus:[23]




„Der Dschihad ist eine generelle, von Gott auferlegte Pflicht, deren Erfüllung durch Einige die Anderen davon befreit. Aber der Angriff des Feindes auf einen Ort legt allen dort Wohnenden die göttlichen Verpflichtungen auf, die Angreifer zu bekämpfen, wenn sie auch doppelt so zahlreich sind. Göttliche Pflicht ist es auch, in den muslimischen Grenzplätzen Garnisonen zu unterhalten. Ihre Erfüllung durch die Einen entlastet die Anderen.“




Wandeln sich damit die gemeinschaftsbezogenen Pflichten der ausreichenden Anzahl in Individualpflichten, büßen sie nicht an Verbindlichkeit ein, sondern gewinnen hinzu. Wer etwa freiwillig am Dschihad teilnimmt und sich in die Schlachtreihe einordnet, ist verpflichtet, wenn die Zahl der Feinde nicht das Verhältnis 1:2 übersteigt, bis zum Ende der Schlacht auszuharren.[24] Wer die Pflicht zum Dschihad angenommen hat, muss sich unermüdlich anstrengen (dschahada) die anderen zu bekehren oder wenigstens zu unterwerfen. Die Verpflichtung kennt keine zeitlichen oder räumlichen Grenzen.[25]




Damit wurde der Mudschahid zur treibenden Kraft der vom Propheten durch Zerstörung bisheriger tribaler Vergemeinschaftungsformen geschaffenen und bis dahin auf der arabischen Halbinsel unbekannten Glaubens- und Kampf­gemeinschaft, der der Kampf und die Raubzüge untereinander verboten war, dafür aber zu imperialer Expansion drängte.[26] Der Prophet selbst stand als Oberhaupt dieser Monokratie vor, da alle weltliche und religiöse Autorität in seiner Person vereint war, während die soziologische Grenzziehung zur Gemeinschaftsbildung in „Wir“ und „die anderen“ auf der Angehörigkeit zum Islam und den daraus resultierenden Rechten und Pflichten beruhte.




Der Mudschahid selbst schließt mit Allah einen Pakt, da er Vermögen und Leben im Dschihad einsetzt und dafür nicht nur materiellen Lohn in Form der Kriegsbeute (deren grundlegende Verteilung in sūrat(u) l-anfāl:41 [8:41] geregelt ist) und Anteil an der Dschizja erhält. Sondern er steigt beim Tod im Dschihad als schahid (Märtyrer) direkt ins Paradies auf, während selbst der ritentreueste Muslim damit rechnen muss, eine Zeit in der Zwischenhölle zu verweilen, da Allah selbst den frommsten Muslim den Eintritt ins Paradies verweigern kann, wenn er will.[27]




Hierzu auch folgender Hadith:[28]




Abu Huraira berichtete: "Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagen: »Derjenige, der auf dem Weg Allahs den Dschihad unternimmt – und Allah kennt wohl denjenigen, der auf Seinem Weg den Dschihad unternimmt – ist demjenigen gleich, der anhaltend fastet und betet. Und Allah gibt dem Mudschahid auf Seinem Weg die Gewähr dazu, daß Er ihn entweder sterben und ins Paradies eingehen läßt oder daß Er ihn unversehrt mit einem Lohn oder mit einer Beute zurückkehren läßt.«"




 




[Sahih Al-Bucharyy Nr. 2787]




 




Da dem Mudschahid der höchste Rang unter den Gläubigen zufällt und ihm im Falle des Todes im Dschihad das Paradies zusteht, schlossen sich in späteren Zeiten auch immer wieder freiwillige Dschihadkämpfer den regulären Armeen an, die gegen die ungläubigen Feinde zogen.[29]




Aber Dschihad besitzt nicht nur eine Bedeutung im Sinne der gewaltsamen Beziehung zwischen Muslimen und Nichtmuslimen. Auch alle gewaltlosen Methoden, die die Beziehung zwischen beiden Gruppen regelt, wenn der Kampf stockt, ist Dschihad.[30] So ist auch Da´wah eine Form des gewaltlosen kleinen Dschihad, der sowohl jedes islamische Staatswesen, als auch jeder Muslim nachkommen soll.




Somit stellt der gewaltsame kleine Dschihad eine direkt von Allah stammende Aufforderung von Allah an die Muslime dar, die sich in der madinensischen Stärkephase ab 622 A.D. herausgebildet hat und die Muslime nach der Hidschra zum Dschihad auffordert, was folgender Hadith verdeutlicht:[31]




Ibn 'Abbas, Allahs Wohlgefallen auf beiden, berichtete, daß der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: "Es gibt keine Hidschra nach der Eroberung, sondern Dschihad und Niyya. Wenn ihr dann zum Aufbrechen aufgefordert werdet, dann brechet auf." (Der Hadith kann mit wenigen Zufügungen in Klammern wie folgt verdeutlicht werden: "Es gibt keine Auswanderung (Hidschra) mehr (von Makka nach Al-Madina) nach der Eroberung (von Makka), sondern es gibt Dschihad und den guten Vorsatz (Niyya). Wenn ihr dann zum Aufbrechen (für den Kampf) aufgefordert werdet, dann brechet (mit den anderen zum Kampf) auf.")




[Sahih Al-Bucharyy Nr. 2783]




Der Dschihad selbst wurde und wird nicht nur gegen Andersgläubige außerhalb des Dar(u) l-Islam geführt, sondern seit der Ermordung des dritten rechtsgeleiteten Chalif Uthman Ibn Affan 656 A.D., der den ersten islamischen Bürgerkrieg auslöste, sind bis zum heutigen Tage primär gewaltsame innerislamische Auseinandersetzungen Kennzeichen der islamischen Historie. Wenn hier eine Gruppe gegenüber der anderen Takfir erklärte, womit diese in den Unglauben entlassen wurde, galt auch das Tötungsverbot der Muslime untereinander aus sūrat(u) l-māidah:32 [5:32] nicht mehr. Dieses Tötungsverbot wird unzu­lässigerweise im „Dialog“ als allgemeines Tötungsverbot gegenüber Anders­gläubigen bezeichnet, wobei man den Anfang: „min ajli dhālika katabnā ʿalā banī is'rāīla… („Aus diesem Grunde [der Mord von Kain an Abel, eig. Einfügung] haben Wir den Kindern Isrāʾīls vorgeschrieben: …“) oft vorsätzlich nicht zitiert.[32]




3. Umfassende Definition des kleinen Dschihad




Aufbauend auf den Ausführungen zum Dschihad können wir hier eine Definition vorlegen, die die verschiedenen gewaltlosen und gewaltsamen Formen des kleinen Dschihad umfasst:




„Der kleine Dschihad ist jede mit Niyya getätigte gewaltlose oder gewaltsame äußerste Anstrengung auf dem Weg Allahs, um islamische Herrschaft und islamisches Herrschaftsgebiet auszuweiten und die Einführung des Gesetzes (Scharia) in seiner Gesamtheit im Dar(u) l-Harb  und Dar(u) l-Ahd voranzutreiben, langfristig das Dar(u) l-Harb und das Dar(u) l-Ahd in das Dar(u) l-Islam einzuverleiben oder die Geltung des Gesetzes im Dar(u) l-Islam zu restaurieren.“




Diese Definition bildet die heterogene Realität ab, die durch die westliche Projektion eines die Religion missbrauchenden „Islamismus“ jedem Erkenntnisgewinn und daraus ableitbaren Handlungsmaximen entzogen wird.




„Islamismus“ als Begrifflichkeit besitzt nur zwei Funktionen. Zum einen als Markierung eines seit 1924 andauernden Zeitraumes, der durch die Abschaffung des Chalifates durch Atatürk seinen Anfang genommen hat und zur Entstehung eines ideologisch aufgeladenen Islamverständnisses durch Reformbewegungen wie die 1928 gegründete ägyptische Muslimbruderschaft und die um 1970 entstandene türkische Millî Görüş Bewegung führte. Zum anderen als Arbeitsbegriff der deutschen Sicherheitsbehörden, die auf Grundlage des Merkmales der Nutzung von Gewalt zur Zielerreichung zwischen einem pan-islamisch ausgerichteten „militanten“ und einem gewaltlosen „taktischen“ Islamismus unterscheiden.[33]




Da man in der Gesamtheit „Islam“ nur verschiedene Gruppen unterscheiden kann, besitzt der Begriff des „Islamismus“ ansonsten als westliche Projektion, aufgrund einer im Islam nicht existenten Trennschärfe in Bezug auf einen „islamistischen“ oder „fundamentalistischen“ Islam und einen „liberalen“ Islam, da schon in der arabischen Sprache für „Fundamentalist“ in westlicher Bedeutung kein Wort existiert, keinen praktischen Nutzen. Man muss diesen Fakt akzeptieren und in den verschiedenen Konfliktbereichen wie Sicherheitspolitik oder Integration innerhalb der bestehenden Heterogenität islamischen Lebens die Gruppen lokalisieren, mit denen man zusammenarbeiten kann und mit welchen nicht.




4. Das Vermächtnis des Propheten: Tötungs- und Bekämpfungsvers




Die im März 631 A.D./9 A.H. verkündete sūrat(u) t-tawbah (die Reue) regelt in den Versen 1 – 37 die Beziehungen zwischen Muslimen und Polytheisten und den Juden und Christen. Ebenso tadelt sie im Weiteren diejenigen Muslime, die nicht Leib und Leben im Dschihad einsetzen (was hier nicht näher behandelt wird).




Besondere Bedeutung besitzen hierbei sūrat(u) t-tawbah:5 [9:5] und sūrat(u) t-tawbah:29 [9:29]. Diese können aufgrund ihrer Wirkmächtigkeit bis zum heutigen Tag als „Vermächtnis des Propheten“ betitelt werden.




9:5 erlaubt den Kampf gegen die Muschrikun (Götzenanbeter/Polytheisten), bis sie konvertieren. 9:29 enthält die Aufforderung der Bekämpfung der „Ahl al-Kitab“ (Leute des Buches), bis diese die Dschizja (den Tribut) entrichten.[34] Damit wurden auch Juden und Christen ein Jahr nach der Einnahme Makkas durch den Propheten 630 A.D./8 A.H. zu Feinden des „wahren Glaubens“ erklärt, die man bekämpfen müsse, bis sie, jeder einzelne von ihnen für sich, in demütiger Haltung den muslimischen Siegern den Tribut entrichten.[35]




Dies wird verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass nach islamischer Lehre Shirk (Götzenanbeterei) der vorislamischen Heiden und der Halbglaube der Buchbesitzer nicht neben der wahren Rechtleitung, die Allah den Muslimen in Form der Scharia auferlegt und in Form von Koran und der nachkoranischen Sunna übergeben hat, nebeneinander bestehen können. Die Muschrikun können vertrieben und getötet werden, wenn sie nicht konvertieren. Die Buchbesitzer sollen idealiter konvertieren, was aber erst in größerer Zahl ab der zweiten islamischen Dynastie der Abbasiden geschah, da der Islam während der Herrschaft der ersten islamischen Dynastie der Umayyaden als reine arabische Religion angesehen wurde und man die finanziellen Tributeinnahmen für das islamische Staatswesen und den Lebensunterhalt der Mudschahidun benötigte. Ansonsten sind auch Juden- und Christentum langfristig zum Aussterben verurteilt.




Angehörige anderer Buchreligionen dürfen somit gegen Zahlung des Tributes und teilweise der Kharaj (Grundsteuer) als gedemütigte Dhimmis und Menschen zweiter Klasse unter islamischer Herrschaft leben. Grundlage dieser Handlungs­weise bildet der Grundsatz des islamischen Rechts bezüglich religiöser Minderheiten: „Die Toleranz des religiösen Pluralismus basiert auf der Ungleichheit.“[36] Damit besaßen die Dhimmis insbesondere im politischen Bereich nur stark eingeschränkte Rechte, womit man von einer gleichberechtigten Rechtsstellung mit den Muslimen nicht sprechen kann.[37]




Auch wenn die Behandlung der Dhimmis oftmals pragmatisch gehandhabt wurde und manche hohe Staatsämter ausübten, sind alle Buchreligionen zum Aussterben bestimmt. Das verdeutlicht insbesondere der ’ahd Umar (Umar Pakt), der nach islamischer Tradition auf den zweiten rechtgeleiteten Chalif ’Umar Ibn Khattab zurückgehen soll, obwohl die ältesten Textzeugen aus dem 10. und 11. Jahrhundert stammen.[38]




Der Pakt enthält eine Reihe diskriminierender Bestimmungen für Juden und Christen im islamischen Staat, wie besondere Bekleidungsvorschriften oder demütiges Verhalten gegenüber Muslimen.[39] Bis in die heutige Zeit werden Fatawa (Rechtsgutachten) erstellt, die diese Vorschriften für Juden und Christen in islamischen Ländern für gültig erklären:[40]




- Sie [die Nichtmuslime] dürfen weder muslimische Vornamen noch Nachnahmen haben.




- Ihre Häuser dürfen nicht höher als die Häuser der Muslime sein. Ein Christ darf nicht ein dreistöckiges Haus bauen, wenn sein muslimischer Nachbar ein zweistöckiges Haus besitzt.




- Man [ein Muslim] darf sie [die Christen] nicht grüßen [d. h., er darf nicht mit der Begrüßung beginnen, sondern muss warten, bis er von ihnen begrüßt wird].




- Auf Wegen müssen sie [Juden und Christen] abgedrängt werden [nach Muhammads Vorschriften müssen Muslime auf Wegen so gehen, dass für Juden und Christen kaum ein Durchgang gelassen wird], weil Muslime das Vorrecht [d.h. mehr Recht auf die Benutzung von Straßen] auf Straßen haben.




- Sie müssen Kleider tragen, die zeigen, dass sie erniedrigte Schutzbefohlene sind. Selbst ein Kind muss leicht als schutzbefohlenes Christenkind erkennbar sein. Deshalb müssen sie [die Christen] bestimmte Gürtel und Kleider tragen.




- Man [d.h. die Muslime] darf sie [die Christen] nicht ehren, wie man einen Muslim ehrt."




 




Der Tötungsvers (sūrat(u) t-tawbah:5 [9:5])




In deutscher Übersetzung:




Wenn nun die Schutzmonate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf! Wenn sie aber bereuen, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann laßt sie ihres Weges ziehen! Gewiß, Allah ist Allvergebend und Barmherzig.




Im Original:




fa-idhā insalakha l-ashhuru l-ḥurumu fa-uq'tulū l-mush'rikīna ḥaythu wajadttumūhum wakhudhūhum wa-uḥ'ṣurūhum wa-uq'ʿudū lahum  kulla marṣadin fa-in tābū wa-aqāmū   l-ṣalata waātawū l-zakata fakhallū sabīlahum inna l-laha ghafūrun raḥīmun




Im historischen Kontext behandelt die als „Tötungs-“ oder „Schwertvers“ (āyah as-Saif) bekannte Textstelle damit das Verhalten der Muslime zu den nichtislamischen Bewohnern und Stämmen der arabischen Halbinsel im 7. Jahrhundert, die ihre heidnische Ritenpraxis weiterhin mit den Muslimen in Makka ausübten. Hierzu gehörte unter anderem tawaf, das teilweise nackte Umschreiten der Ka’abah. Diesen Umstand der Existenz von Rechtleitung und Shirk wollte Muhammad beenden und die arabische Halbinsel von der Götzenanbeterei reinigen.




Nach dem Ablauf dieser im Tötungsvers genannten heiligen vier Monate der bisherigen Ritenpraxis hatten die heidnischen Bewohner die Wahl zwischen drei Alternativen: Konversion und ehrliche Ritenpraxis, getötet zu werden oder von der arabischen Halbinsel weg- und auf der Erde umherzuziehen. Der Tötungs­vers entfaltete damit folgende Wirkungen:




1. Verbot für die Götzendiener, die Hadsch zu vollziehen. Das Verbot galt ab dem nächsten Jahr;




2. Verbot, nackt die Ka’abah zu umschreiten;




3. Nur Muslime dürfen in Zukunft die Ritenpraxis in Makka ausüben;




4. Wer ein Abkommen mit den Muslimen abgeschlossen hatte, so gilt dies bis zur festgesetzten Frist;




5. Ansonsten sind alle anderen Abkommen mit dem Ablauf der heiligen vier Monate der Ritenausübung zu beenden.




Das Ziel des Schwerverses war damit ab 631 A.D./9 A.H. die Säuberung der arabischen Halbinsel vom Polytheismus, da nach oft zitierten Prophetenworten auf der arabischen Halbinsel nicht zwei Religionen vorhanden sein sollen und die Götzenanbeter vertrieben werden müssen, damit diese ein Zentrum für die Ausbreitung der Einladung zum Islam in alle Welt werde. Dies gilt nach Ansicht islamischer Gelehrter auch heute noch für Juden und Christen, die von der arabischen Halbinsel vertrieben werden müssen, da schon das Betreten von Teilen des Hidschaz mit Makka und Madina als religiöse Zentren allen Nichtmuslimen verboten ist.[41]




Der Imperativ im unvollendeten Aspekt des arabischen Imperfekt „fa-uq'tulū l-mush'rikīna“ begründet dabei keine Pflicht, die Götzendiener zu töten, sondern erlaubt dieses den Muslimen für eine unbefristete Zeit, wobei hier nicht näher auf die Frage der Abrogation aller früheren „milderen“ Textstellen durch den später offenbarten Schwertvers eingegangen werden kann (Lehre von nasich wa-l-mansuch). Bis heute wird aber, insbesondere im Bereich der Veröffentlich­ungen des gewaltsamen Dschihadismus, der Schwertvers in entkontextualisierter Weise immer wieder als Legitimation zitiert, da er hiernach alle „milden“ Textstellen abrogiert hat und man damit alle Nichtmuslime töten darf.




 




        




Der Bekämpfungsvers (sūrat(u) t-tawbah:29 [9:29])




In deutscher Übersetzung:




Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und nicht an den Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, und nicht die Religion der Wahrheit befolgen – von denjenigen, denen die Schrift gegeben wurde –, bis sie den Tribut aus der Hand entrichten und gefügig sind!




 




 




Im Original:




qātilū alladhīna lā yu'minūna bil-lahi walā bil-yawmi l-ākhiri walā yuḥarrimūna mā ḥarrama l-lahu warasūluhu walā yadīnūna dīna l-ḥaqi mina alladhīna ūtū l-kitāba ḥattā yuʿ'ṭū l-jiz'yata ʿan yadin wahum ṣāghirūna




Die als „Bekämpfungsvers“ oder auch „Schutz- oder Kopfsteuervers (āyah ad-dschizja)“ bekannte Textstelle behandelt das Verhältnis zwischen den Muslimen und Angehörigen monotheistischer Buchreligionen, die als „Ahl al-Kitab“ (Leute des Buches) eine andere rechtliche Stellung als die Muschrikun besitzen.




Sie haben nicht die alleinige Wahl zwischen Konversion oder Tötung, sondern sie können auch ihre unterwürfige Haltung gegenüber dem Islam anerkennen, um als Dhimmi (Schutzbefohlene) mittels eines unbefristeten Dhimma (Schutzvertrage im Sinne eines Unterwerfungsvertrages) unter islamischer Herrschaft gegen Zahlung der Dschizja zu leben. Dhimmis sind Menschen einer minderen Rangstufe, die eine Kopf- und teilweise Grundsteuer zahlen, sich den muslimischen „Vollbürgern“ politisch unterordnen und dem Islam in allen Bereichen „Demut“ bezeugen müssen.[42]




Der mindere Status der Dhimmis unter islamischer Herrschaft beinhaltet nicht nur Gebote religiös begründeter Apartheid, wie das von allen sunnitischen Rechtsschulen vertretene Heiratsverbot für Muslima, denen nach sūrat(u) l-baqarah:221 [2:221] eine Heirat mit einem Nichtmuslim verboten ist. Dhimmis unterstehen ebenso der schariatischen Rechtsprechung und sind angehalten, Gebote der Ritenpraxis, wie das Fasten während des Ramadans, zu befolgen und müssen alles unterlassen, was die Gefühle der Muslime „beleidigen“ könnte. Argumente wie die Zahlung der Dschizja als Ersatzleistung für den Wehrdienst verzerren die historische Realität. Zwar konnte ein Dhimmi freiwillig am Dschihad teilnehmen. Ansonsten finanzierten die Dhimmis den Dschihad gegen das Dar(u) l-Harb. Mithin gegen die eigenen Glaubensbrüder und -schwestern.




Der Bekämpfungsvers umfasst alle Leute der Schrift und befiehlt, sie solange zu bekämpfen, bis sie eigenhändig die Schutzsteuer in voller Unterwerfung entrichten. Der Dschihad mit ihnen kann enden, wenn sie sich unterwerfen und die Dschizja zahlen. Das Ziel des Bekämpfungsverses ist somit die Einladung zum Islam, mit dem Ziel der Konversion oder das Erreichen eines Unterwerfungsvertrages, um sicherzustellen, dass die Dhimmi nicht (mehr) die Muslime bekämpfen und Gelegenheit haben zu konvertieren. So erfolgt die Erniedrigung des Tributzahlers durch besonders demütigende Behandlung oder durch die Entrichtung des Tributes selbst. Der Sinn für die Schutzbürger ist es, sich mit den Vorzügen des Islam zu befassen und zu konvertieren.[43] Mit der Konversion wird der Dhimmi aller Sanktionen erhoben, und er wird zum vollen Mitglied der islamischen Gemeinschaft und genießt alle Rechte der Gläubigen.[44]




Gleichzeitig ist das in vielen Ländern des Dar(u) l-Islam bestehende Verbot, neue Kirchen zu bauen, die logische Konsequenz der minderen Rangstufe, die den zum „Aussterben“ verurteilten Buchreligionen in der Umma zugestanden wird.[45]




5. Ausblick




Warum muss man sich in der heutigen Zeit mit diesen Dschihadlehren, die ihre religiöse Grundlage in Koran und Sunna haben, beschäftigen?




Nicht nur wegen der anhaltenden Verfolgung religiöser Minderheiten in der islamischen Welt, die de jure und de facto im besten Falle eine inferiore Stellung innehaben, wenn sie nicht ansonsten zwangskonvertiert oder getötet werden. In Ägypten etwa sind die koptischen Christen heute noch Dhimmis und rechtlich Bürger zweiter Klasse.[46] In der Türkei weitet sich der Juden- und Christenhass immer mehr aus.[47] Alles Entwicklungen, die mit der islamischen Historie und den  Lehren der islamischen Gelehrten und Juristen verbunden sind.




Vielmehr stellen alle westlichen Länder bezüglich der Dschihadlehren Entwicklungsländer dar, was nach meinen Erfahrungen der letzten Jahre im zivilen und militärischen Bereich teilweise auch politisch gewollt ist, worauf ich aus verständlichen Gründen nicht näher eingehe. Alle westlichen Länder befinden sich nicht nur seit über 10 Jahren in einer abstrakten Gefährdungslage, sondern die nahe Zukunft wird vom „urbanen Dschihad“ der „Europa-Afghanen“ bestimmt werden, den ich schon im Oktober 2008 vorhergesagt habe:[48]




„[…] Damit werden nach den „Araber-Afghanen“ der ersten Al Qaida Generation und den Irakrückkehrern der letzten Jahre die „Europa-Afghanen“ zu einer neuen Gefährderkategorie für die westlichen Staaten, die ihre im Jihad erworbenen Kenntnisse als urbaner Jihadist anwenden können und wollen.“




Auch wenn sich nach Einschätzungen von Geheimdiensten der Schwerpunkt der Ausbildungsaktivitäten in den nächsten Jahren nach Afrika und Asien verlagern wird, leben diese in den letzten Jahren im pakistanisch-afghanischen Grenz­gebiet ausgebildeten „Europa-Afghanen“ schon längst unter uns. Über die multikausalen Faktoren, die zur Dschihadisierung führen, ist viel geschrieben worden. Aber über die grundlegende Funktion religiös-rechtlicher islamischer Texte im Rahmen von Dschihadisierungsprozessen zur Generierung der sozialen Identität „Mudschahid“ findet man fast nichts, da man im Zeichen einer die Sicherheit gefährdenden Realitätsverweigerung den Zusammenhang zwischen islamischen Dschihadlehren und der Kontinuität des virulenten Dschihadismus als Konstante der islamischen Historie seit der Schlacht von Badr nicht sehen will.




Man begreift nicht oder will nicht begreifen, dass in der globalen Perspektive die Mehrzahl der Muslime „Islam“ nicht als rein spirituelle Individualerfahrung sehen, sondern als eine direkt von Allah stammende und die ganze Existenz überformende Handlungsanleitung, die neben Kosmologie und Anthropologie alle Lebensbereiche total erfasst, womit persönliche, politische, rechtliche und soziale Sphäre verklammert und unter die Regelung der Scharia gestellt werden.




Damit wird die Ratio und der diesseitige Lebenssinn auf das von Koran und Sunna (die beide, wenn auch auf verschiedenen Wegen offenbart, von Allah stammen) limitierte Handlungsfeld beschränkt, welches sich in einer nicht zu hinterfragenden und nicht zu kritisierenden Nachahmung erschöpft, da der metaphysische Eintritt ins Paradies zum einzigen Lebenssinn erhoben wird, wozu eben nicht nur die gewissenhafte und größtmögliche lebenslange Anzahl der Ritenausübung gehört, sondern auch die Glaubensanstrengung im gewaltlosen und gewaltsamen kleinen Dschihad für diejenigen Muslime, die den Ruf zum Dschihad angenommen haben.




Solange man das nicht versteht oder verstehen will, solange wird man auch nicht die religiös-rechtliche Legitimation und die daraus hervorgehende Motivation des virulenten Dschihadismus verstehen.




So wie der Prophet nicht nur als spirituelle Autorität, sondern dessen Handeln auch, wie Deutschlands renommiertester Arabist Prof. Dr. Tilman Nagel es ausführlich dargestellt hat, als übergeschichtliche Wahrheit und Quelle jedes Erkenntnisgewinnes wahrgenommen wird, so wird auch der Koran nicht als rein spirituelle Quelle und ansonsten als historisches Dokument gesehen, welches nur aus sich heraus verständlich ist. Sondern er besitzt für viele Muslime dieselbe unermessliche Bedeutung wie für die junge islamische Gemeinde nach dem Tod Muhammads in der Expansionsphase, da man im Koran alle Grundlagen für religiöse Haltung, für Staatsführung, für das private Leben, für Diesseits uns Jenseits fand.[49]




Damit wird der Koran (wie die Ahadith der Sunna) auch als religiös legitimierte Aufforderung und Erlaubnis des kleinen Dschihad begriffen, der sowohl gegen Nichtmuslime, als auch gegen Muslime anderer Glaubensrichtungen und säkulare Muslime geführt wird. Die von Nagel herausgearbeitete Bedeutung des Propheten als übergeschichtliche Wahrheit (und nicht als historisierte Person) für die Mehrheit der Muslime fügt sich überall dort ein, wo ein religiös-kulturelles islamisches Langzeitgedächtnis als Verklammerung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft den daran glaubenden Muslimen den endgültigen Sieg über alle Nichtmuslime und die Errichtung einer globalen islamischen Gemeinschaft verspricht. Für dieses Ziel muss auch der gewaltsame kleine Dschihad geführt werden, wenn gewaltlose Formen nicht zum Ziel führen und es die Umstände erlauben.




Die Vielzahl der Verlautbarungen dschihadistischer Gruppen, die sich neben den hier nicht behandelten Textstellen der sūrat(u) l-baqarah:190-193 [2:190-193] insbesondere durch den Schwervers legitimieren, zeigt deutlich, warum es sich etwa bei diesen Muschahidun nicht um „Islamisten“ in einem westlichen Sinn handelt, die die Religion missbrauchen.[50]




Sondern um eine islamische Gruppe glaubensstarker Muslime, die das ausführen, was im 7. Jahrhundert verkündet und später rechtlich in Form gegossen wurde, weil sich, wie im Fall des gewaltsam ausgelegten salafitischen Islam, der gewaltsame kleine Dschihad durch einen angeblichen „Angriff des Westens“ auf das Dar(u) l-Islam zur Fard al-Ayn gewandelt hat.




Solange man nicht bereit ist, den Grundsatz „Kenne deinen Feind“ aus Sūnzǐ´s „Die Kunst des Krieges“ anzunehmen und das zu befolgen, was der Kriegsveteran und republikanische Politiker Lt. Colonel Allen West anmahnt, den Koran und die Sunna zu studieren, da man gegen ein „theokratisch-politisches Glaubenssystem und Konstrukt“ kämpft, wird man weiter auf der Verliererseite stehen.[51]  Nicht mehr und nicht weniger.




Anmerkungen










 




[1] In der Regel wurde sich bei arabischen Begriffen zur einfacheren Lektüre an der Lautschrift orientiert, wobei im Hocharabisch die Lang- und  Kurzvokale e und o nicht existieren; Die Textstellen im Koran werden zitiert: „Name der Sure: Nummer des Verses [Nummer der Sure: Nummer des Verses]“; Die deutsche Koranübersetzung stammt von der Homepage des „Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.“ (ZMD) in der Übersetzung von Scheich Abdullah As-Samit (F. Bubenheim) und Dr. Nadeem Elyas, unter:




http://islam.de/13822.php








[2] A.D = Anno Domini; A.H. = Anno Hegirae, da die islamische Jahreszählung mit der Hidschra von Makka nach Yathrib beginnt; Zur Einführung in die „Islamische Chronologie“ empfiehlt sich der Aufsatz von Eisenstein (2002), S.133.f








[3] Peters (2005), S.1








[4] Heine (2004), S.20








[5] Spuler-Stegemann (2007), S.125; Die anderen Textstellen sind nach Spuler-Stegemann nicht aussagekräftig genug (a.a.O.)








[6] Lewis (2002), S.125








[7] Schirrmacher (2006), S.133








[8] Bonner (2006), S.49








[9] Anm. 4, S.22








[10] Die Ahaidth werden zitiert nach:




Muhammad Ibn Ahmad Ibn Rassoul (o.J.): „Auszüge aus dem Ṣaḥīḥ Al-Buḫāryy“, Islamische Bibliothek, Düsseldorf, hier S.170; Der Hadtih (Pl. Ahadith) bildet in Form der Ahadithsamlungen die Grundlage der Sunna. Die Sunna ist nach Definition der Hadithgelerten: „Das, was vom Propheten überliefert wurde in Bezug auf: Worte, Taten, Schweigsame Billigung, Physische Merkmale und Charakteristiken und Biographische Daten, egal ob vor oder nach seiner Berufung zum Propheten“. Alle muslimischen Gelehrten sind darüber übereingekommen, dass alles, was der Prophet sagte, tat oder stillschweigend duldete und wobei dadurch eine Gesetzgebungsinstanz und Vorbildfunktion beabsichtigt war und in authentischer Überlieferung (ṣaḥīḥ) vorliegt, neben dem Koran als eine Quelle für die islamischen Bestimmungen und Gesetze anzusehen ist.








[11] Noth (1987), S.43








[12] Puschnerat (2005), S.53








[13] Siehe hierzu meine damals herausgegebene Pressemitteilung, unter:




http://www.newsmax.de/bochumer-staatsanwaeltin-sieht-solidaritaetsbekundung-fuer-die-hamas-waehrend-antisemitischer-demonstration-von-art5i-gg-gedeckt--news27286.html








[14] Paret (2001), S.123








[15] Herangezogen wurde hier die Übersetzung „Die Charta (Staatsvertrag) von Medina“ von Amir Muhammad Adib Zaidan, unter:




http://www.ansary.de/Islam/ChartaMedina.html








[16] Halm (2007), S.87








[17] Ye’or (1996), S.40








[18] Pipes (1993), S.44








[19] Tyan (1965), S.539








[20] Özel (1993), S.528f.








[21] Khoury (1991), S.14








[22] Da die personellen Ressourcen und die daraus resultierende Manpower für den gewaltsamen Dschihadismus wie für das hybride und dezentralistisch organisierte Netzwerk Qaida al Dschihad nicht unbeschränkt ausweitbar sind, wird vermehrt versucht, Muslima zu rekrutieren.




So im Dezember 2009, als die Frau von Ayman az-Zawahriri Muslima dazu aufrief, dem Ruf zum Dschihad zu folgen: msnbc.com, „Al-Qaida leader’s wife calls women to join jihad. Wife of high-ranking militant sends message to Muslim ‘sisters’ ”, 17.12.2009, unter:




http://www.msnbc.msn.com/id/34467265/ns/world_news-mideastn_africa/








[23] Zit. nach Glagow (2010), S.71








[24] Nagel (1988), S.280








[25] Anm.6, S.126








[26] Karsh (2007), S.21








[27] Siehe hierzu das Video: „Die Belohnung des Shahid fisabilillah - Abu Abdullah“ der salafitischen Gruppierung „Die wahre Religion“, unter:




http://www.youtube.com/watch?v=L30x6xATNwE&feature=related








[28] Anm.10, S.164








[29] Reichmuth (2004), S.17








[30] Khadduri (2007), S.54








[31] Anm.10, S.163








[32] Nach Nagel (2008), S.943f ist die Quelle für 5:32 die aus dem Judentum stammende Mischna Sanhedrin, IV,5; Das Tötungsverbot aus 5:32 schützt damit nur die Mitglieder der eigenen, „gläubigen“ (islamischen) Solidargemeinschaft vor Übergriffen von ihresgleichen. Die Ahndung solcher  Straftaten unter Muslimen sind, wie die Hudud Delikte (Grenzdelikte), Teil des schariaitschen Strafrechts. Das Wort Hadd (Pl. Hudud) bezeichnet in der islamischen Rechtswissenschaft eine von Allah absolut angedrohte Strafe wegen der Verletzung einer von Allah verordneten Grenze des Zusammenlebens der Muslime. Das Strafausmaß ist von Allah selbst als Gesetzgeber bestimmt und gilt somit als ewig und unveränderlich. In dieser Kategorie von Straftaten sind bei vollständiger Erfüllung des Straftatbestandes weder Begnadigung noch mildernde Umstände zulässig.








[33] Bundesamt für Verfassungsschutz (2002), S.51








[34] Landau-Tasseron (2003), S.40








[35] Anm. 32, S.219








[36] Schlicht/Kunkel (2010), S.463








[37] Kotzur (1988), S.7; Zur osmanischen Variante des Dhimmi als „Millet-System“ siehe die Übersetzung eines Interviews mit Prof. Dr. Mustafa Macit Kenanoğlu von der Fatih Universität (Istanbul) auf der Homepage der „Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş“: „ "Minderheitenrecht" im osmanischen "Staat" „ , 04.07.2010, unter:




http://www.igmg.de/nachrichten/artikel/2010/07/04/minderheitenrecht-im-osmanischen-staat.html








[38] Jacobs (2004), S.234








[39] Eine Übersetzung des ’Umar Paktes ist abgedruckt in meinem Buch zum kleinen Dschihad: Tartsch (2009), S.96








[40] Fatwa zu der Frage: „Wie müssen Muslime mit Christen umgehen?“, Institut für Islamfragen, 11.06.2007, unter: http://www.islaminstitut.de/Anzeigen-von-Fatawa.43+M5d51f2d7f2f.0.html








[41] Fatwa zu den Aussagen Muhammads über Polytheisten auf der Arabischen Halbinsel. Andere Religionen außer dem Islam sind dort nicht erlaubt, Institut für Islamfragen, 06.06.2009, unter:




http://www.islaminstitut.de/Anzeigen-von-Fatawa.43+M56266f1449f.0.html








[42] Anm.23, S.67








[43] Khoury (1996), S.312








[44] Khoury (1980), S.142








[45] Anm.23, S.59








[46] Prof. Dr. Christine Schirrmacher in der FAZ: „Ägyptische Kopten. Schrift steht gegen Gewalt“, 05.11.2011, unter:




http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EB0D54708BA3E468CBAB5D2E4784D6D95~ATpl~Ecommon~Scontent.html








[47] Nach einer Umfrage von 2009 sagte jeder dritte Türke, dass er keinen Christen als Nachbarn haben will, noch mehr lehnten einen Juden als Nachbar ab: Die Presse.com: „Türken gegen Christen und Juden: "Es wird schlimmer" „, 02.10.2009, unter:




http://diepresse.com/home/panorama/religion/512210/Tuerken-gegen-Christen-und-Juden_Es-wird-schlimmer








[48] „Tellurischer Partisan & urbaner Jihadist - Psychogramm des „homegrown terrorism“ „ , 01.10.2008, unter:




http://europenews.dk/de/node/14587; Während solche Warnungen von mir seit Jahren bewusst von der Politik ignoriert werden, weil diese den offiziellen Kurs der Verharmlosung und Beschwichtigung stören, ist man in den Vereinigten Staaten schon viel weiter und benennt offen die multiplen Gefahrenpotentiale:




Dave Gaubatz: „Sleeper Cells in the USA”, FAMILY SECURITY MATTERS INC., 26.01.2001, unter:




http://www.familysecuritymatters.org/publications/id.8528/pub_detail.asp








[49] Schimmel (2008), S.16








[50] sūrat(u) l-baqarah:190-193 beinhalten die Erlaubnis für die Muslime, nach der Hidschra die polytheistischen Makkaner zu bekämpfen; So wurde in Nr.4/Ausgabe Winter 2010, S.20 des Dschihadmagazins „Inspire“ unter anderem der Schwertvers zur Legitimation der Tötung von Zivilsten im Yemen zitiert.








[51] Grundlegende Aussagen von Allen West können mit deutschen Untertiteln angesehen werden unter: http://www.youtube.com/watch?v=FSwrTJ0N5jI&feature=related




 




 




 




 




 




 




 




 




Quellenverzeichnis




Bonner, Michael (2006): „Jihad in Islamic History: Doctrines and Practice”, Princeton University Press




Bundesamt für Verfassungsschutz (2002): “Bundesamt für Verfassungsschutz. Aufgaben, Befugnisse, Grenzen“, Köln, Stand: Dezember 2002




Eisenstein, Herbert (2002): “Islamische Chronologie”, in: Chvojka, Erhart et.al [Hrsg.]: „Zeit und Geschichte. Kulturgeschichtliche Perspektiven“, Wien, München, Oldenbourg, S.133-143




Glagow, Rainer (2010): “Allahs Weltordnung. Der politische Islam als Herausforderung für Demokratie und Gesellschaft“, Mering




Halm, Heinz (2007): “Der Islam: Geschichte und Gegenwart“, München




Heine, Peter (2004): „Terror im Namen Allahs. Extremistische Kräfte im Islam“, Freiburg im Breisgau




Jacobs, Martin (2004): „Islamische Geschichte in jüdischen Chroniken. Hebräische Historiographie des 16. und 17. Jahrhunderts“, Tübingen




Khadduri, Majid (2007): „War and Peace in the Law of Islam”, Lawbook Exchange




Karsh, Efraim (2007): “Islamic Imperialism: A History”, Yale University Press




Khoury, Adel Theodor (1980): “Toleranz im Islam”, München




Khoury, Adel Theodor (1991): “Was sagt der Koran zum Heiligen Krieg?”, Gütersloh




Khoury, Adel Theodor (1996): „Der Koran. Arabisch-Deutsch. Übersetzung und wissenschaftlicher Kommentar von Adel Theodor Khoury“. Band 7: Sure 7,1-206, Sure 8,1-75, Sure 9,1-129, Gütersloh




Kotzur, Hubert (1988): “Kollisionsrechtliche Probleme christlich-islamischer Ehen. Dargestellt am Beispiel deutsch-maghrebinischer Verbindungen“, Tübingen




Landau-Tasseron, Ella (2003): „Jihād “, in: „Encyclopaedia of the Qurʾān”, Volume Three, J- O, Brill, LeidenBoston, S.35-42




Lewis, Bernard (2002): „Die politische Sprache des Islam“, Hamburg




Nagel, Tilman (1988): „Die Festung des Glaubens. Triumph und Scheitern des islamischen Rationalismus im 11. Jahrhundert“, München, Oldenbourg




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Noth, Albrecht (1987): „Früher Islam. Hiǧra”, in: Haarmann, Ulrich [Hrsg.]: „Geschichte der islamischen Welt“, München, S.11-57




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Puschnerat, Tânia (2005): „Antizionismus im Islamismus und Rechtsextremismus“, in: Bundesministerium des Innern [Hrsg.]: „Feindbilder und Radikalisierungsprozesse. Elemente und Instrumente im politischen Extremismus“, S.42-73




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Schirrmacher, Christine (2006): “Islam und Christlicher Glaube: Ein Vergleich.“, Holzgerlingen




Ye’or, Bat (1996): „The Decline of Eastern Christianity Under Islam: From Jihad to Dhimmitude: Seventh-Twentieth Century”, Fairleigh Dickinson University Press




Schimmel, Annemarie (2008): “Einleitung und Anmerkungen zur Koranübersetzung von Max Henning”, in: „Der Koran. Aus dem Arabischen übersetzt von Max Henning“, Stuttgart




Schlicht, Daniela/Kunkel,Denise (2010): „Bürger zweiter Klasse: Die Kopten in Ägypten“, in: Robert, Rüdiger et. al. [Hrsg]: „Kollektive Identitäten im Nahen und Mittleren Osten: Studien zum Verhältnis von Staat und Religion“, Münster, S.459-478




Spuler-Stegemann, Ursula (2007): „Die 101 wichtigsten Fragen Islam“, München




Tartsch, Thomas (2009): „Jihad as-sagir. Legitimation und Kampfdoktrinen: Ein Beitrag zum Zusammenhang zwischen Religion und religiös-rechtlich legitimierter Gewalt“, Datteln




Tyan, Emile (1965): „Djihad“, in: “The Encyclopaedia of Islam“, New Edition, Volume II, C-G, Leiden, London, S.538-540




 




©2011 und alle weiteren Rechte: Dr. Thomas Tartsch




Weiterverbreitung – auch in Auszügen – nur nach vorheriger Genehmigung durch den Autor




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Einstellung des Blog
31.10.2010 17:32:06
Da ich derzeit nach der Einführung in die Usul al-Fiqh die Einführung in die Anwendung des islamischen Strafrechts absolviere, wird der Blog bis Ende des Jahres aus Zeitgründen eingestellt.
Pause
09.05.2010 08:17:17
Aufgrund der einführenden Studien der "Ulum al-Qur´an" und der "Ulum al-Hadith" legt der Blog bis zum Herbst eine Pause ein.
BKA bestätigt meine seit zweieinhalb Jahren geäußerten Warnungen
25.04.2010 20:54:30
Die vom BKA herausgegebene Warnung vor 37 "radikalen Konvertiten", die im Verdacht stehen, Terroranschläge in Deutschland zu planen, bestätigen meine seit zweieinhalb Jahren geäußerten Warnungen bezüglich der steigenden  Bedeutung dieses Personenkreises für den gewaltsamen Jihadismus.
Schon seit Mitte 2007, als im Juli die Rote Moschee in Islamabad gestürmt wurde, waren ca. 15-20 Konvertiten und junge Muslime bekannt, die direkt über Pakistan oder den Umweg über einschlägig bekannte arabische Sprachschulen in Ägypten den Weg in Ausbildungslager der sich neu formierenden al Qaida gefunden hatten.
Damals wurden eine Anzahl dieser Mudschhaiddin Aspiranten von örtlichen Sicherheitskräften festgenommen, wobei der quantitative Anteil junger türkischstämmiger Muslime auffiel.
Fälle wie der von Cüneyt Ciftci im März 2008 in Afghanistan und Thomas "Hamza" Fischer,  im November 2003 in Tschetschenien, der zu den Gründern des "Islamischen Informationszentrum Ulm" (I.I.Z Ulm e.V.) gehörte, bildeten bis 2009 Ausnahmen.
Derzeit stellen diese 37 verdächtigten Konvertiten aber nur die Spitze des Eisberges der dritten Jihadgeneration des "homegrown terrorism" dar, weil man von rund 180 deutschstämmigen Konvertiten und Muslimen ausgeht, die im pakistanisch-afhanischen Grenzgebiet ausgebildet werden oder den Jihad in Afghanistan ausüben, während rund 80 dieser Mudschahiddin wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind, wobei keine genauen quantitativen Angaben über die Zahl von Gefährdern und dem sie unterstützenden Umfeld vorliegen.
Aber auch andere westliche Länder wie Belgien sind in der Vergangenheit mit der Jihadisierung von Konvertiten konfrontiert worden, wie der Fall Muriel Degauque gezeigt hat. Damit werden alle westlichen Länder dieser Geährderkategorie konsequent begegenen müssen, da etwa Wien, Mailand und London als Hochburgen des europäischen Ableger des hybriden und dezentralistischen Jihadnetzwerkes al Qaida gelten.

Wie ich im Januar schon im Interview zur Veröffntlichung meines Jihadbuches ausgeführt habe, können für Deutschland für die nächsten Jahre folgende Bedrohungstrends genannt werden, die auch von  anderenTerrorismusexperten so gesehen werden:


- steigender Einfluss von Einzelpersonen/Predigern bei der Rekrutierung

- wachsender Einfluss von Konvertiten

- steigende Zahl von autonom handelnden Jihadzellen in Deutschland

- wachsende Rolle von türkischstämmigen jungen Muslimen

Letztere haben sich bisher weitgehend resistend gegenüber dem gewaltsamen Jihad gezeigt, wobei seit letztem Jahr der verstärkte Einsatz von Propagandavideos auf der bekanntesten türkischen Jihadibwebseite zu beobachten ist.

Drohvideo der "Deutschen Taliban-Mudschahidin" bestätigt meine Analyse von 2008 bez. der "Europa Afghanen"
14.04.2010 19:24:38
Das aktuelle 25minütige Drohvideo der "Deutschen Taliban-Mudschahidin" bestätigt meine Analyse von Oktober 2008 über den "urbanen Jihad" und der neuen Gefährderkategorie der "Europa Afghanen", die hier einzusehen ist.
Da meine Arbeit aber aus politischer Korrektheit in Deutschland bewusst ignoriert und teilweise behindert wird, wird man die Rolle der deutschen Mudschahidin  im globalen Jihad weiterhin nicht thematisieren. Die Folgen davon werden die Opfer von Anschlägen in Deutschland und weitere gefallene Bundeswehrsoldaten sein.
Gesamte Führungsspitze der "al Qaida auf der arabischen Halbinsel" nach Somalia umgesiedelt
08.04.2010 12:01:11

Nach Angaben jemenitischer Quellen hat die aus 15-20 Personen bestehende Führungsspitze der "al Qaida auf der arabischen Halbinsel" [die in direkter Verbindung zum hybriden Terrornetzwerk steht] aufgrund verstärkter Bekämpfungsmaßnahmen den Jemen Richtung Somalia verlassen. Gleichzeitig wurden die bestehenden Terrorzellen im Jemen angewiesen, bis Juni keine Aktivitäten zu entfalten.

Kommentar zur Forderung des türkischen Ministerpräsidenten nach türkischen Gymnasien in Deutschland
27.03.2010 20:25:42

Die Forderungen des türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan nach türkischen Gymnasien und türkisch geprägter Ausbildung in Deutschland fügen sich nahtlos in eine Strategie der Einflussnahme und der Benutzung der Auslandstürken für religiös-politische Zwecke ein, um in den westlichen Ländern eine Re-Islamisierung der türkischen Community und die Festigung islamisch-nationalistischer Submilieus nach Maßgabe der AKP voranzutreiben. Schon im Februar 2010 waren unter Geheimhaltung tausende türkischstämmiger Politiker verschiedener westliche Länder nach Istanbul zu einem Treffen in einem Luxushotel eingeladen worden, wo Erdoğan sie zu mehr politischer Aktivität in ihrer neuen Heimat (gegen eine „Assimilierung“ der dort lebenden Auslandstürken) ermunterte. Rund 1500 Politiker folgten der Einladung, wobei türkischstämmige Politiker in Deutschland scharfe Kritik an der Veranstaltung übten. Aktuell wurde die Einrichtung eines „Präsidiums für Auslandstürken“ (Yurtdışı Türkler Başkanlığı) vom türkischen Parlament beschlossen, welche sich nicht nur um türkische Staatsbürger im Ausland, sondern auch um diejenigen kümmern soll, die die türkische Staatsbürgerschaft abgelegt haben.


Dabei zeigt sich die Zusammenarbeit zwischen der AKP und der von deutschen Sicherheitsbehörden als Organisation des „taktischen Islamismus“ eingestuften „Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş“ (IGMG) in Deutschland, als am 22.02.2010 der türkische Staatsminister Faruk Çelik die Zentrale der Millî Görüş besuchte. Begleitet wurde er dabei von dem Staatsminister a.D. Kürşad Tüzmen, dem Kölner Generalkonsul Mustafa Kemal Basa und den Beratern des türkischen Ministerpräsidenten, Ali Yüksel und Sadettin Kılıç.


Die nun erhobenen Forderungen des türkischen Ministerpräsidenten verdeutlichen die Forderungen nach Separation der Auslandstürken von den jeweiligen Gesellschaften und die Erhaltung der monogamen Staatsloyalität zur Türkei, was auch schon eine Aufgabe der Auslandsableger des „Präsidiums für Religionsangelegenheiten“ (Diyanet İşleri Başkanlığı) DIB wie die „Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion“ (Diyanet İşleri Türk İslam Birliği) DITIB darstellt. Das alles kennzeichnet die voranschreitende Islamisierung der Türkei, da sich der Kemalismus, der sich durch die Symbiose der Unterordnung der Religion unter dem Staat und der Außerkraftsetzung der rechtlichen Teile der Shari’a bis auf die religiösen Dimensionen Glaubensinhalte (Îtikâd) und Gottesdienst (Ibâda) in Form von Diyanet auszeichnet, seit 1950 auf dem Rückzug befindet. Insbesondere seit der Ministerpräsidentschaft von Turgut Özal Anfang der 1980er Jahre und Necmettin Erbakan (dem Begründer und geistigen Führer der Millî Görüş Bewegung) von Mitte 1996 bis Mitte 1997 wandelt sich die Türkei wieder zu einem islamischen Staat. Auch die als „gemäßigt islamistisch“ eingestufte AKP vermischt extremen Nationalismus und Religion zur Ausbildung einer starken „islamischen Identität“.


Dies vertritt ebenso Millî Görüş, die die Rolle des Islam im Alltagsleben hervorhebt und eine von Koran und Sunna getragene kulturelle Identität als positive Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens darstellt, wobei zu fragen ist, inwieweit solch eine diffus bleibende kulturell-religiöse Identität die Verfestigung islamischer Submilieus mit Geltung der gesamten Shari’a fördert, da man hier von einem eingeschränkten Integrationsverständnis ausgehen kann, welches an der Bewahrung der eigenen religiösen und kulturellen Identität unter Ablehnung konkreter integrativer Maßnahmen orientiert ist. Zusammenfassend sind die Forderungen des türkischen Ministerpräsidenten als desintegrativ einzustufen und abzulehnen, da sie eine Verlagerung des Bildungsauftrages in islamisch-nationalistisch geprägte Institutionen fördern und die bestehenden Problemlagen noch verschärfen würden.


Schon heute haben sich ganze Stadtteile wie Duisburg Marxloh oder Köln Kalk zu abschottenden parallelen Gebilden entwickelt, die sich in Analogie zur orientalischen Stadt im Rahmen einer mehrkernigen ethnisch-religiösen Segregation weiter differenzieren. Hier benötigt man nicht nur keinerlei deutsche Sprachkompetenz mehr, um das Alltagsleben zu bewältigen, sondern auch der öffentliche Raum wird durch die Geltung archaisch kultureller und rigider religiös determinierter Erwartungshaltungen gekennzeichnet, die durch soziale Kontrollmechanismen von der Familie über die Verwandtschaft bis zu den Moscheevereinen durchgesetzt werden. Die Lebensrealität, die sich etwa durch den steigenden Anteil von Geschäften mit Brautmoden und Kinderbekleidung äußert zeigt, in welchem Ausmaß das Leben dieser Menschen neben der Mehrheitsgesellschaft durch atavistische Normen- und Wertestrukturen bestimmt wird.


Zurückgreifend auf das Beispiel der angesprochenen Geschäfte offenbart sich das Konzept der untergeordneten gesellschaftlichen Rolle der Frau in sich abschottenden Submilieus, welche in der bestehenden Teilung des gesellschaftlichen Lebens in eine öffentliche und private Sphäre gründet. Während der Mann das Recht des öffentlichen Agierens in der öffentlichen Sphäre besitzt, wo die Frau (wenn überhaupt) nur verschleiert und in inferiorer Stellung auftreten darf, wird sie selbst in die private Sphäre verweisen, was als natürlich gegebenen Differenz angesehen und mit kulturellen und religiösen Argumenten gerechtfertigt wird. Somit wird eine gradlinige Trennung aller gesellschaftlichen Lebensbereiche aufgrund der Rollenzuteilung mittels eines archaischen Geschlechterbildes vollzogen, wo das Mädchen oder die Frau nur eine Wertigkeit für den Heiratsmarkt besitzt, die sich in der Unverletzlichkeit des Hymens bis zur Hochzeitsnacht ausdrückt, womit ihr jegliche sexuelle Selbstbestimmung abgesprochen wird. Ein Verstoß gegen diese vormodernen Moralvorstellungen wie vorehelicher Sexualverkehr wird etwa im Fall traditionell eingestellter türkischer Familien oftmals als „günah“ (Sünde) angesehen, die die „Ehre“ der Familie befleckt und in letzter Konsequenz auch durch einen „Ehrenmord“ geahndet werden kann, um diese „Ehre“ wiederherzustellen. Die Rolle der Frau stellt damit eine Form von Minderwertigkeit dar, die sich etwa in der späteren Rolle als immer bereite, immer fügsame und immer verfügbare Samentoilette des Mannes fortsetzt, die der ständigen Kontrolle von Ehemann, Familie und Verwandtschaft unterliegt. Damit werden archaisch-religiöse und desintegrativ wirkende Strukturen konserviert und durch „Importbräute“ perpetuiert, da diese bruchlos in die bestehenden Gemeinschaften eingefügt werden.


Anstatt diesem Konzept der repressiven Geschlechtszuteilung als eine Strategie der Separation und Segregation von Muslimen von der Gesellschaft von einschlägig bekannten Organisationen immer mehr nachzugeben, welche sich etwa in den Forderungen nach der Zulassung des Kopftuches im öffentlichen Dienst, exklusiver Badezeiten für Muslima mit Burkini in öffentlichen Schwimmbädern, der Durchsetzung shari’atischer Normen im Schulalltag durch Handreichungen für Lehrer in Nordrhein-Westfalen und Berlin oder eben auch durch Forderungen nach exklusiven islamischen Schuleinrichtungen äußert, gilt es, die im Grundgesetz festgeschriebenen Grund- und Menschenrechte durchzusetzen, wie sie primär in den Artikel 1-3 festgeschrieben sind.


Alles andere führt nur zu weiterer Desintegration und letzten Endes zur Auflösung des gesellschaftlichen Gefüges durch Zerfall des Ganzen in seine Einzelteile, was Nietzsche als „atomistische Revolution“ bezeichnet hat.


 


al Qaida bestätigt weitere These meines neuen Jihadbuches bezüglich des zukünftigen "urbanen Jihad"
08.03.2010 08:45:48
Mit einer neuen Videobotschaft bestätigt das hybride Jihadnetzwerk al Qaida meine Voraussage bezüglich des Jihad der Zukunft als "urbaner Jihad", der nicht mehr an der Peripherie, sondern im Zentrum des als Feind angesehenen geführt wird, wobei in den westlichen Ländern die neue Gefährderkategorie der "Europa Afghanen" eine wichtige Rolle spielen werden, was ich schon in einer Analyse im Oktober 2008 vorhergesagt habe.
Einen Vorgeschmack auf diesen urbanen Jihad gibt das in der Videobotschaft angeprochene Massaker in Fort Hood, welches nicht einen Fall "normaler Kriminalität" darstellt, sondern eine Ausformung des Jihad as-sagir, da der Täter ein Jihadi ist, der Kontakt zu dem einschlägig bekannten Anwar al-Awlaki pflegte. Der Jihad as sagir, der gewaltsame kleine Jihad stellt entgegen der westlichen Apologie keine Entartung des Islam dar, sondern legitimiert sich durch einschlägige Suren und Verse im Koran (siehe u.a. Sure 9, Verse 5 und 29), denm jeweiligen Kitab al-JIhad der einschlägigen Ahadithsammlungen der Sunan, den Rechtsbüchern und den fatawas jihadistischer 'Ulamas. Das muss man anerkennen, wenn man über die Legitimation des gewaltsamen Jihad diskutieren will.
So wie amerikanische Einschätzungen davon ausgehen, dass al Qaida derzeit gezielt muslimische Militärangehörige innerhalb der US Armee rekrutieren will, muss man in Deutschland die aus dem Jihad in Afghanistan zurückkehrenden "Europa Afghanen" als reale Bedrohung einstufen, da sie nicht nur primär junge Muslime und Konvertiten für den Jihad as-sagir rekrutieren, sondern die Mudschahiddin der steigenden Anzahl von Jhadi Zellen in Deutschland mit ihrem im Jihad erworbenen Wissen ausbilden. Nach offiziellen Zahlen leben in Deutschland rund 80 von ca. 180 dieser Europa Afghanen, wobei die realen Zahlen höher liegen dürften. Auch die vereinigten Staaten sind durch diese Bedrohung alamiert, da vermehrt radikalisierte amerikanische Staatsbürger sich vermutlich in al Qaida Trainingslagern im
Jemen ausbilden lassen.
Der urbane Jihad wird in Zukunft neue Bekämpfungsstrategien erfordern, wobei ich als auszufüllenden Rahmen die
LINE Strategie empfehle, wobei der Punkt "Eliminierung, wenn notwendig" bei sich zuspitzender Lage auch noch zu diskutieren sein wird.
Kommentar: Warum der Westen in Afghanistan keine militärischen Erfolge erzielt
01.03.2010 12:46:32

[In gekürzter Form auch als Leserbrief erschienen]


Der Afghanistaneinsatz zeigt, was man alles falsch machen kann, womit sich der Einsatz für den Westen seit Ende 2001 insgesamt in einen physischen, psychischen und die Staatshaushalte belastenden Abnutzungskrieg gewandelt hat, dessen Ausgang derzeit nicht zu prognostizieren ist. Auch wenn die bisherigen Verluste von insgesamt 1657 gefallenen Soldaten nicht annähernd die Zahl von ca. 15.000 gefallenen Soldaten der Sowjetarmee während des Krieges von 1979 -1989 erreicht haben, sind bis zum 23.02.2010 schon 91 gefallene Soldaten zu verzeichnen, womit die Monate Januar und Februar 2010 die verlustreichsten Monate Januar und Februar seit 2002 darstellen.


Diesen Abnutzungskrieg kann der Westen allein militärisch nicht gewinnen, da schon die personellen militärische Ressourcen fehlen und der politische Wille für die Zustimmung zu verlustreichen militärische Operationen nicht existiert, und die Politik Rücksicht auf die Stimmung in der Bevölkerung nehmen muss, die sich seit dem Ende des zweiten Weltkriegs an den „ewigen Frieden“ gewöhnt hat. Herfried Münkler bezeichnet diese Mentalität treffend als Postheroismus, da man sich scheut, für die Verteidigung von Wertvorstellungen Menschenleben zu riskieren. Dabei stellen neben den afghanischen Taliban die aus aller Welt zur Ausübung des Jihad sich einfindenden Mudschahiddin des global operierenden und hybriden Terrornetzwerkes Qaida al-Jihad die größte Gefahr dar, da viele von Ihnen wieder in ihre westlichen Heimatländer zurückkehren, um hier den Jihad auszuüben. Allein den Sicherheitsbehörden sind offiziell 184 primär junge Muslime und Konvertiten aus Deutschland bekannt, die in Afghanistan kämpfen und von denen rund die Hälfte wieder zurückgekehrt ist. Die Entwicklungen in Afghanistan betreffen Deutschland in einer verzahnten Sicherheitslage damit sowohl auf nationaler als auch auf geopolitischer Ebene.


Der Westen hat es versäumt, aus vollkommener Unkenntnis über die Mentalität der afghanischen Bevölkerung frühzeitig eine erfolgreiche Counterinsurgency Strategie anzuwenden. Für Counterinsurgency (Aufstandbekämpfung) ist es entscheidend, von der Bevölkerung als Schutzmacht wahrgenommen zu werden, was ständige Präsenz im Raum und unablässige Angriffe auf jihadistische Kräfte erfordert, da wie in Afghanistan die Zahl der getöteten Jihadisten im Verhältnis zur Zahl der Kollateralschäden den Erfolg oder Misserfolg des militärischen Einsatzes bestimmt. In bellistischen Gesellschaften erzielt man nur Erfolge, wenn man bestimmt auftritt, so viele Gegner wie möglich tötet und sich als Schutzmacht profiliert. Und nicht durch eine Strategie der Abschottung der eigenen militärischen Kräfte von der Zivilbevölkerung und des Einsatzes massiver Bombenteppiche zur Vermeidung eigener Verluste, womit man die Zivilbevölkerung in die Arme der Jihadisten treibt, die insoweit schon den Medienjihad gewonnen haben, als man hier gar nicht mehr den Terror der afghanischen Taliban gegen die Zivilbevölkerung wahrnimmt. Usama Ibn Ladin hat das schon Ende 2001 in einem Kommentar prägnant ausgesagt: "Wenn die Leute ein starkes Pferd und ein schwaches Pferd sehen, dann werden sie naturgemäß das starke Pferd mögen." Somit werden diejenigen nicht arabischen Akteure in der Region verlieren, die sich nicht als schlagkräftig erweisen und wahres Durchhaltevermögen zeigen. Langfristig müssen daher neben der kurz- und mittelfristigen repressiv-militärischen Bekämpfung unterstützende und transformierende politische und wirtschaftliche Komponenten hinzukommen, wobei man auf eine kurzfristige Implantation westlicher Staatsorganisationsmodelle, Werte- und Normensysteme, nicht hoffen kann. Vielmehr wird man letzten Endes eventuell froh darüber sein können, wenn man ein diktatorisches Regime errichten kann, welches die Konfliktparteien mit allen Mitteln in Schach hält, um das Zentrum durch die Befriedung der Peripherie zu schützen, da der Westen nicht auf Jahrzehnte in Afghanistan bleiben wird.


 


 


 


 

Daniel Pipes bestätigt die Theorie meines neuen Buches
17.02.2010 23:19:48
Während in Deutschland meine Arbeit bewusst irgnoriert wird, bestätigen international renomierte Autoritäten (die es in Deutschland ja nicht gibt) die Theorie meines neuen Buches. Im Counterjihad kann man nur Erfolge erzielen, wenn man hart und entschlossen vorgeht. Denn in der islamischen Welt zählt nur der etwas, der Stärke zeigt. Näheres kann man hier nachlesen.
2. Teil des Interviews zu meinem neuen Jihadbuch
26.01.2010 21:57:29

Hier nun der 2. Teil des ausführlichen Interviews, welches die österreichische Buchautorin Frau Michaela Thanheuser mit mir geführt hat. Weitere Informationen zum Buch sind auf der eigens dafür eingerichteten Homepage abrufbar.





„Ich rieche Blut und ein Zeitalter berühmter Wahnsinniger“


[Wystan Hugh Auden]


 


Das von Politikern, Wissenschaftlern und Meinungsbildnern so gerne und viel zitierte Vokabel und Schlagwort „Islamismus“ wird von Ihnen ad absurdum geführt?



Ich würde eher sagen, ich beende eine sinnlose Diskussion bezüglich der Trennung in Islamismus und Islam. Islamismus besitzt als nichtwissenschaftlicher Begriff nur zwei Funktionen. Zum einen stellt er einen Arbeitsbegriff zur Aufgabenerfüllung der Sicherheitsbehörden des administrativen Verfassungsschutzes dar, die zwischen „militanten“ und „taktischen“ Islamismus unterscheiden. Und er kann als Abgrenzungsbegriff innerhalb der neueren islamischen Historie dienen, als Atatürk 1924 fast genau 1300 Jahre nach Badr neben dem Sultanat auch das Kalifat abschaffte, was trotz der realen Bedeutungslosigkeit zu einem Identitätsverlust in der islamischen Welt und zu Gründungen von Reformbewegungen wie der ägyptischen Muslimbruderschaft führte. Die Bruderschaft propagiert auch heute noch die globale Errichtung einer islamischen Ordnung an, wozu sie durch eine „Islamisierung von unten“ wie in Ägypten die Beteiligung an der politischen Macht anstrebt, um eine „Islamisierung von oben“ durchzuführen. Auf der anderen Seite will sie durch Infiltration sozialer Netzwerke und Kontrolle über Moscheen islamische Submilieus innerhalb von westlichen Gesellschaften installieren. Diese Strategie wird auch von dem Mitte Januar 2010 gewählten achten „al-murshid al-'amm“ (obersten Führer) der Muslimbruderschaft Dr. Muhammad Badie (geb. 1943) weitergeführt werden, der sich offen für die Orientierung der MB an den „konservativen Idealen“ von Sayyid Qutb ausgesprochen hat. Nicht verwunderlich, da Dr. Badie zu der Generation gehört, die durch die Verfolgung der Muslimbrüder durch das Regime von Ǧamāl ʿAbd an-Nāṣir geprägt wurden und für die Qutb schon durch seine Hinrichtung  1966 einen Märtyrerstatus besitzt. Ebenso hat HAMAS ihre Unterstützung für Dr. Badie erklärt, wobei HAMAS und die Muslimbruderschaft durch ein Fundraising Network verwoben sind, durch das der karitative und der jihadistische Arm Katā’ib aš-Šahīb ’Izz ad-Dīn al-Qassām der HAMAS finanziert wird.


Ab dem arabischen Aufstand von 1936-1939 (und nicht erst seit 1948) fand dann etwa auch der eliminatorische Judenhass, der den religiösen Antagonismus ideologisch auflud, weite Verbreitung in islamischen Kreisen, der Schnittmengen mit Hitlers rechten und linken Erben in Form des klassischen biologistischen Antisemitismus und dem politisch motivierten Antizionismus besitzt, da abseits aller akademischer Wortklauberei im Elfenbeinturm alle drei Ausprägungen die Auslöschung Israels befürworten und anstreben. Schon durch den als „Großmufti von Jerusalem“ bekannten Muammad Amīn al-usainī, der unter anderem für die 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“ (kroatische Nr. 1) muslimische Freiwillige rekrutierte, ergab sich eine Zusammenarbeit zwischen Nationalsozialismus und eliminatorischen Judenhass, da al-usainī nach einem Sieg des Nationalsozialismus die Shoah in Palästina durchführen wollte, was viele nicht wissen. Wie die muslimischen Hassdemonstrationen Anfang 2009 gegen die Militäroperation der Zahal gegen die HAMAS gezeigt haben, breitet sich dieser eliminatorische Judenhass auch in Deutschland immer mehr in der islamischen Teilgesellschaft aus, was in Israel sehr genau beobachtet wird. Man sollte den Begriff „Islamismus“ nur in diesen zwei Fällen verwenden und ihn ansonsten vermeiden, da er etwas konstruiert, was in der Realität nicht existiert.


 



Beugt sich die Türkei dem Integrations- und Assimilationsprozess Europas, oder verfolgt sie nur ihre eigenen nationalen Interessen?



Abseits multikultureller Apartheidsfanatiker und apodiktischer Beschwörung von Assimilation stellt Integration einen intergenerativen und ergebnisoffenen Prozess dar, wobei idealiter Assimilation der Integration folgt. Assimilation selbst bezeichnet  als letzte Stufe die Identifikation mit der Aufnahmegesellschaft, wobei hier insbesondere auf den Grad der Aufgabe oder Beibehaltung „kultureller Besonderheiten“, politischer Loyalitäten und atavistischer Normen- und Wertestrukturen  abgestellt werden sollte, wenn man etwa an Zwangsheiraten und „Ehrenmorde“ oder die Lobbyarbeit der sunnitisch-türkischen Dachverbände wie DİTİB als Auslandsableger des Diyanet İşleri Başkanlığı (DIB) als Maßstab nimmt. Dabei ist die Türkei nicht erst seit Erdoğan auf dem Weg zu einem islamischen Land, da sich der Kemalismus durch den frühen Tod von Atatürk und der Einführung des Mehrparteiensystems nach dem zweiten Weltkrieg beständig auf dem Rückzug befand und befindet. Außenpolitisch kann man die Türkei nicht mehr als Verbündeten ansehen, da unter dem derzeitigen Außenminister Davutoğlu dessen Konzept der „Stratejik Derinlik“ (strategischen Tiefe) verfolgt wird, wodurch die Türkei in der Nachfolge des Osmanischen Imperiums zu einer regionalen islamischen Großmacht aufsteigen soll, was im Hinblick auf die Turkvölker noch einigen Sprengstoff beinhaltet, weil das die Interessen von China und Russland betreffen wird. Die Annäherung an den Iran, den Irak und Syrien bei gleichzeitiger gewollter Verschlechterung der Beziehungen zu Israel verdeutlicht dem aufmerksamen Beobachter, wohin sich die Türkei entwickelt. Dies ist mit einer jener Gründe, weshalb die Türkei kein Mitglied der EU werden sollte. Aber auch in Deutschland zeigt sich eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen dem türkischen Staat und Gruppen, wie mit der, hier von den Sicherheitsbehörden beobachteten, Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). So waren bei einem Empfang des türkischen Botschafters in Berlin zum 86. Jahrestag der Republik Türkei auch der Leiter der IGMG-Studentenabteilung und drei Berliner IGMG-Vorstandsmitglieder als Gäste anwesend. Ein Vorgang, den es früher nicht gegeben hätte. Aber der wachsende Einfluss der islamischen Bildungseinrichtungen der İmam hatip lisesi in der Türkei korrespondiert mit der wachsenden Islamisierung der Auslandstürken durch die Auslandsableger der DIB, die einst gegründet wurde, um kemalismusfeindliche religiöse Kräfte zu kontrollieren, da die Türkei kein laizistischer Staat ist, sondern die Religion unter staatlicher Kontrolle stand. Heute ist sie ein von staatlicher Seite üppig finanziertes machtvolles Instrument der türkischen Innen- und Außenpolitik, bis in die Moscheevereine der türkischen Diasporagemeinden hinein. Aber auch Projekte wie ein geplantes Studentenwohnheim in Münster durch die Millî Görüş wird nicht integrationsfördernd wirken, sondern soll türkischstämmige Studenten in Deutschland separieren und für die Auslegung der Religion der IGMG empfänglich machen, deren Ziel die Implantation einer diffusen „islamischen Identität“ unter den hier lebenden türkischstämmigen Muslimen darstellt.


 



Ihrer Meinung nach lassen sich Menschen türkischer Abstammung in Deutschland auf lange Sicht nicht demokratisch integrieren?



Dies wäre eine unzulässige Verallgemeinerung, da man damit Menschen aufgrund zweier zugeschriebener Merkmale (ethnischer Migrationshintergrund der Eltern oder Großeltern und formale Religionszugehörigkeit) als homogene Gruppe wahrnimmt und Ihnen per se absprechen würde, sich integrieren zu wollen. Damit begibt man sich auf das nicht vorhandene intellektuelle Niveau von multikulturellen Apartheitsfanatikern, die jede Kritik am bisherigen Dialog als „Rassismus“ bezeichnen, obwohl Religionszugehörigkeit keine Rasse generiert. Hier wird ein anthropologisch-biolgistischer Maßstab angelegt, der den typischen Gutmenschen als das entlarvt was er ist, anderen aber gerne vorwirft. Ein Rassist eben, der einem neokolonialen Herrenmenschendenken verhaftet ist, da Menschen mit Migrationshintergrund für ihn unmündige Kinder darstellen, die nicht für sich selbst sprechen können.


Die Gruppe der türkischen Menschen mit Migrationshintergrund stellt aber quantitativ nicht nur wegen der Einwanderungsgeschichte nach Deutschland die größte Problemgruppe dar, sondern weil viele der hier lebenden türkischstämmigen Menschen dem übersteigertem Nationalismus des von Atatürk eingeführten sozialen Konstruktes „Türkentum“ als sozialen Kitt verhaftet bleiben, welches den Zusammenhalt der jungen türkischen Republik sichern soll, und unter anderem die rigide kulturelle Heterogenitätspolitik gegen Aleviten und Kurden bis zum heutigen Tag erklärt. Man muss sich aber entscheiden, wem primär die Loyalität gilt: der Aufnahmegesellschaft oder der Herkunftsregion, zu der in der Regel kaum noch enge familiäre oder persönliche Kontakte bestehen. Gilt die Loyalität der Herkunftsregion, kann man kein deutscher Staatsbürger werden, da die Staatsbürgerschaft als integrierendes Mittel des Nationalstaates Rechte und Pflichten enthält. Und ein Recht entspringt immer noch der Befolgung von Pflichten. Wenn etwa der türkische Botschafter Ahmet Acet im November 2009 die hier lebenden Türken aufgefordert hat, für die generelle Einführung eines türkischen Sprachunterrichtes zu kämpfen, kann man das wohl kaum integrationsfördernd nennen. Es verdeutlicht vielmehr die Politik des türkischen Staates, die monogame Staatsloyalität der Auslandstürken zur Türkei zu konservieren, womit Desintegration vorprogrammiert ist, da die hier lebenden und hier geborenen Menschen mit türkischer Migrationgeschichte der Eltern und Großeltern sich gar nicht integrieren sollen. Erinnert sei an die Kölner Brandrede von Erdoğan im Februar 2008. Hier muss man auch die Entwicklungen im Auge behalten, die sich bei der Kommunalwahl in NRW gezeigt haben, als erste islamische Wählervereinigungen angetreten sind. In spätestens 10-15 Jahren muss man mit einer bundesweiten islamischen Partei rechnen, vor deren Gründung Sicherheitsbehörden schon vor Jahren gewarnt haben. Diese wird das Parteiengefüge in Deutschland grundlegend verändern, da viele derzeitige muslimische Mitglieder in deutschen Parteien zur neuen islamischen Partei wechseln werden. Mag man aus rationaler Wahlstimmenmaximierung noch so viele Zugeständnisse machen, die die Einführung shari’atischen Rechts forcieren.


 



Wieso denken Sie, dass die Migrationsforschung des Westens und deren Öffentlichkeitsarbeit gescheitert sind?



Die Migrationsforschung ist seit Jahrzehnten primär einem einseitigen auf eine – in der Regel – dominante Fremdgruppe und chronologischen Prozess verhaftet geblieben, wobei kognitive Assimilation (Spracherwerb) durch strukturelle (Arbeitsplatz) und soziale Integration (Kontakte zur Aufnahmegesellschaft) eingeleitet wird, die in identifikativer Assimilation mündet. Das hat sich als Wunschdenken herausgestellt und kann so nicht mehr vertreten werden, da die heutige hier geborene und sozialisierte dritte und vierte Generation von Menschen mit Migrationshintergrund bezüglich Sprach- und Bildungskompetenz immer mehr auf die Stufe der ersten „Gastarbeitergeneration“ zurückfällt. Da hat wenigstens noch die strukturelle Integration über den Arbeitsplatz zum größten Teil funktioniert, während man heute etwa fehlende Sprachkompetenz als „Kanaksprack“ in den Stand von Alltagskultur erhoben hat. Und diese Generationen ohne jegliche Zukunftsaussichten reproduzieren sich selbst, da die transnationale Heiratsmigration von Muslima, die ebenfalls keine Sprach- und Bildungskompetenzen besitzen, die vorhandenen Defizite konservieren und weitergeben. Dies umso mehr, als man die Frauen bruchlos in partriachalische Clan- und Familienstrukturen einbindet und ihnen verbietet, etwa die deutsche Sprache zu erlernen, womit bestehende Defizite an die Kinder weitergegeben werden.


Im Grunde hat die Migrationsforschung versagt und befindet sich heute auf einem ideologisierten Irrweg, der nur noch den idyllischen Multikulturalismus predigt, weil das Forschungsgelder und den Lebensunterhalt sichert. Keines der bisher angewandten europäischen Modelle hat nennenswerte integrative Erfolge erzielen können. Weder das englische Modell der „akzeptierten Differenz“, als Gewährung möglichst großer Autonomie mit der Hoffnung auf Entgeltung durch Loyalität gegenüber der Aufnahmegesellschaft. Noch das französische Modell der Vollintegration, durch automatische Verleihung der Staatsbürgerschaft bei Geburt als Verleugnung der Anwesenheit von Menschen mit fremder Kultur. Auch das niederländische „Polder Modell“, mit dem Ideal, Minderheitengruppen mit staatlicher Hilfe zu einer gleichberechtigten Position zu verhelfen, ist seit der Ermordung von Theo van Gogh als gescheitert anzusehen. Und Deutschland hat seit dem Anwerbestopp für ausländische „Gastarbeiter“ 1973 nie ernsthafte Anstrengungen unternommen, um Integration zu fördern. Die Folgen all dieser Versäumnisse schlagen nun mit voller Stärke zurück. Derzeit sehe ich keinen Ansatz, der in einem größeren Maße Integration fördern kann, weil das schon teilweise nicht gewollt ist.


 



Sind Sie ein Gegner des Multikulti-Denkens und des Dialogs?



Ich bin ein Gegner des inhaltslosen und nichtwissenschaftlichen Kampfbegriffes  multikulturelle Gesellschaft, da jede Gesellschaft in sich multikulturell ist und ein Gegner des bisherigen Monologes, der die westlichen Grund- und Menschenrechte im Namen einer selbstzerstörerischen Toleranz bedroht. Ich vertrete hier die Position von Carlo Schmid, einem der Väter des Grundgesetzes: „Man muss auch den Mut zur Intoleranz gegenüber denen aufbringt, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen.“


Der Multikulturalismus hat Züge einer Ersatzreligion angenommen, der auch den „Dialog“ mitbestimmt, wobei jegliche Kritik, entweder durch Stigmatisierung oder durch Verrechtlichung der Diskussion, wie bei Sarrazin und Buschkowsky, zu unterdrücken versucht wird, obwohl die Folgen der fehlgeschlagenen Integration nicht mehr zu übersehen sind. Außer man wohnt in den auch als Parallelgemeinschaften anzusehenden Luxusvierteln der Stadt, weitab von den sich verfestigenden Parallelgemeinschaften der Innenstädte, wo der behütete Nachwuchs Anne Sophie und Knut Torben Privatschulen besucht, damit er nicht mit dem von Rousseau beeinflussten Zerrbild des „edlen Wilden“ in Kontakt kommt, der aktuell an manchen Schulen 80%-90% der Schüler stellt. Eine ziemlich verlogene Empörungsmeute gutmenschlicher Realitätsverweigerer könnte man dazu sagen. Aldous Huxley hat das treffend charakterisiert: „Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.“


 



Wo würden Sie ansetzen, um eine Bewusstseinserweiterung unserer Politik und unseres Toleranzdenkens zu fördern?



Man muss die islamischen Dachverbände und Spitzenorganisationen als das wahrnehmen, was sie darstellen. Als Vertreter eines kleinen Ausschnittes der hier lebenden Muslime, die gar nicht „für den Islam“ sprechen können, sich aber in dieser Funktion bewusst öffentlich darstellen, was auch der Unterwerfung der nichtislamischen Dialogteilnehmer geschuldet ist, die den Forderungen nach angeblichen „islamspezifischen Sonderrechten“, wie dem Bau von repräsentativen Großmoscheen mit Kuppel und Minarett oder das Tragen des Kopftuches im öffentlichen Dienst, devot nachkommen, womit jede Erfüllung dieser Forderungen einen weiteren Schritt zur Einführung shari’atischen Rechts beinhaltet. Zum anderen sind sie von Entwicklungen in der islamischen Welt und Mutterorganisationen abhängige Akteure, die gesellschaftliche Einheiten nach innen bündeln und nach außen als aggregierte Interessen- und Wertegemeinschaft am öffentlichen Diskurs teilnehmen, wobei jede Kritik am Islam mit den Leerformeln „Islamophobie“ und „Rassismus“ stigmatisiert wird, was von den multikulturellen Apartheidsfanatikern noch nach Kräften unterstützt wird. Diese haben von der Materie zwar soviel Ahnung wie die Kuh vom Eislaufen, müssen aber ihre Ideologie verteidigen, weil es das einzige ist, was ihrem Selbsthass, den Hass auf die Gesellschaft und ihren Lebensunterhalt sichert. Man stelle sich vor, es würde eine Integration der Mehrheit der Muslime gelingen. Wo sollte man dann hin mit den nutzlos gewordenen Soziologen, Sozialpädagogen, Juristen, Orientalisten, Islamwissenschaftlern und vielen anderen mehr, die von der Desintegration gut leben? Sie würden die jetzt schon anwachsenden Schlangen vor den privaten Suppenküchen gewaltig anwachsen lassen.


 



Wie beurteilen Sie den Dialog und die Bemühungen, eine gemeinsame Basis des Westens und Ostens zu finden?



Der derzeitige Dialog ist gescheitert. Das ist eine ganz nüchternde Feststellung. Und man muss überlegen, wie man ihn als ergebnisoffenen Dialog neu aufnehmen kann. Wenn nötig, eben auch ohne die islamischen Dachverbände, die während der Islamkonferenz einen ihnen nicht zustehenden Rang erhalten haben, da man schon die bestehende islamische Heterogenität der ca. 4,2 Mio. hier in Deutschland lebenden Muslime so nicht abbilden kann, die von Ex-Muslimen bis zu Jihadisten reicht. Muslim selbst stellt ja erst einmal nichts anderes als eine Definition für einen Menschen dar, bei dessen Geburt der Vater Muslim war oder der konvertiert ist. Auch Islamisierung meint wertneutral die Feststellung eines wachsenden Anteils von Muslimen an der Gesamtgesellschaft durch die demographische Entwicklung und steigende Zahl von Konvertiten. Nun muss man die gegebene Diversität der Realität kategorisieren und die, durch die sich abzeichnende Veränderung der Gesellschaft, virulenten Konflikt- und Gefährdungspotentiale benennen, um diese entschärfen zu können. Wenn die politisch und gesellschaftlich Verantwortlichen aus Unwissenheit, Bequemlichkeit, falsch verstandener Toleranz, Wahlstimmenmaximierung und anderen Gründen untätig bleiben, ist das nicht mein Problem. Sondern es wird vielmehr ein großes Problem für die Kinder und Enkelkinder der jetzigen Generation werden.


 



Ist der Islam befähigt, die Deutsche oder andere europäische Verfassungen, anzuerkennen und sich einer westlichen demokratischen Ordnung zu unterwerfen? Wobei die Kopftuchfrage und wohl nur die Spitze eines Eisberges ist?



Als Vertreter der Prinzipien des säkularen Verfassungsstaates lebt dieser nach dem Dictum des ehemaligen Richters am Bundesverfassungsgericht Böckenförde von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Dies beinhaltet eben auch, dass alle Religionen in einer Minderheitenposition verbleiben müssen, da die verfasste Ordnung die Wurzeln verteidigen muss, auf denen die Gesellschaft aufgebaut ist. Das beutet nichts anderes als die Durchsetzung der elementaren Grundsätze der Verfassung, die auf jüdisch-christlichen Wurzeln beruhen. Das Grundgesetz, als Ausfluss historischer und oft blutig geführter Auseinandersetzungen, die rechtliche und politische Gleichheit gebracht haben, gerät in Gefahr, wenn es einer Religionsgruppe, im Namen einer, die staatliche Ordnung gefährdende, Hypertoleranz, erlaubt wird, Sonderrechte zu erlangen, die im Gegensatz zu fundamentalen Freiheits- und Gleichheitsrechten stehen.


Nehmen wir die Forderung nach dem Tragen des Kopftuches, wobei man schon aus dem Koran kein allgemeines Verhüllungsgebot herauslesen kann, sondern höchstens die Anmahnung nach dezenter Kleidung. Dieses angebliche Gebot der Pflicht der Verhüllung durch ein religiöses Kampfsymbol, das das Kopftuch seit der iranischen Revolution 1979 darstellt, soll auch in Deutschland, im Rahmen der Religionsfreiheit, durchgesetzt werden. Hier muss man sich fragen, warum man in der Regel vor und nach dem Koranunterricht in Moscheen schon jede Menge von sehr jungen Mädchen sieht, die das Kopftuch tragen, wobei selbst „fundamentalistische“ Internetseiten davon sprechen, dieses „erst“ ab 9 Jahren zu tragen, wenn die Pubertät einsetzt. In der öffentlichen Diskussion verlaufen die Argumente zwischen einem paternalistischen „die armen Geschöpfe unter dem Kopftuch“ und dem Geschwätz eines angeblichen „islamischen Feminismus unter dem Kopftuch“. Beides sind nicht sehr hilfreiche Argumente. Vielmehr fehlt es an einem allgemeinen Kopftuchverbot, vom Kindergarten an und im öffentlichen Dienst, da jede Muslima, die das Kopftuch trägt, bewusst oder unbewusst der Umwelt zeigt, wie sie sich bruchlos in die islamische Gemeinschaft einfügt. Aus diesem Grund kann sie es im privaten Bereich aus religiösen Gründen tragen, wenn sie es aus freiem Willen als religiöses Gebot ansieht, muss aber damit rechnen, keine Stelle im öffentlichen Dienst zu erhalten, da hier die staatliche Neutralität wie an Schulen gilt. Das ist ein vertretbarer Kollateralschaden, da etwa der Bildungsauftrag höher einzustufen ist als religiöse Befindlichkeiten. Aus diesem Grund verursachen schon die Handreichungen für Lehrer in NRW und Berlin Übelkeit, wo diesen angeraten wird, shari’atische Grundsätze, wie nach Geschlechtern getrennten Sportunterricht oder die faktische Erlaubnis des Kopftuches bei Muslima, im Unterricht zu dulden oder an der Durchsetzung mitzuwirken. Damit gibt man nicht nur der Forderung nach Einführung der Shari’a nach, sondern verrät auch diejenigen muslimischen Schüler und Schülerinnen, die ein selbstbestimmtes Leben führen wollen, jetzt aber verstärkt durch indoktrinierte Mitschüler unter Druck geraten. Aber das führt jetzt schon zu weit vom eigentlichen Thema weg.


 



Sie üben Kritik an den, Ihrer Meinung nach, gescheiterten Auslandseinsätzen der Bundeswehr und anderen Krieg führenden Kräften. Wie sieht eine zeitgemäße, der Situation angepasste, strategische Führung der Einsatzkräfte aus?



Im zweiten Teil meines Buches empfehle ich eine neue Counterinsurgency Strategie für die Auslandseinsätze der Bundeswehr, da diese als Instrument der staatlichen Interessensdurchsetzung vermehrt in politisch instabilen Regionen eingesetzt werden wird, wo, wie in Afghanistan, der innere Jihad ausgeübt wird. Wie der Afghanistaneinsatz zeigt, hat man bisher so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Der Einsatz zeigt seit Ende 2001 keinerlei anhaltenden Erfolg und hat sich für den Westen zu einem verlustreichen Abnutzungskrieg entwickelt. Auch wenn man die Quantität der Verluste der Sowjetarmee von rund 15.000 gefallenen Soldaten noch lange nicht erreicht hat, ist man mit jährlich steigenden Verlusten konfrontiert. So waren 2008 295 gefallene Soldaten zu verzeichnen, wobei 157 Soldaten Opfer von IED Sprengfallen wurden. 2009 stiegen die Verluste auf 521/275 Soldaten. Insgesamt sind bis zum 31.12.2009 1568 Soldaten in Afghanistan gefallen, wobei die Bundeswehr 34 gefallene Soldaten verzeichnet. Im Januar 2010 liegen die Zahlen [Stand 26.01.2010] bei 39/26, womit er den verlustreichsten Januar des ganzen Einsatzzeitraumes darstellt.


Der Krieg in Afghanistan ist militärisch nicht zu gewinnen. Verteidigungsminister zu Guttenberg war der erste Politiker, der endlich gesagt hat, dass Afghanistan nie zu einem Staat nach westlichem Demokratieverständnis werden wird. Man wünscht sich mehr solche Offenheit, da man lange genug den Krieg nicht als Krieg bezeichnet hat.


Seit 1945 hat der Westen nur in einem einzigen asymmetrischen Konflikt gewinnen können. Und das war im Kampf Großbritanniens gegen die IRA, weil man durch jahrelange Geduld und die Inkaufnahme eigener hoher Opferzahlen ein Austrocknen des Konfliktes ermöglicht hat. Ansonsten gerät jeder Konflikt, der unterhalb der Schwelle des Bombenkrieges ausgetragen wird, zu einem lang andauernden Abnutzungskrieg, da die militärische Überlegenheit des Westens auf militärischer Hochtechnologie basiert. Man müsste dann wie āfi al-Assad 1982 beim Massaker in der Stadt Hama gegen die Anhänger der Muslimbruderschaft konsequent massive Luftschläge durchführen, um den Gegner zu vernichten. Damals hat man aber nicht nur die syrischen Muslimbrüder in der Stadt bombardiert, sondern gleich mehrere zehntausend Opfer unter der Zivilbevölkerung in Kauf genommen, womit die syrischen Muslimbrüder bis heute keine entscheidende Rolle mehr spielen. Es ist fraglich, ob man das will, weil es langfristig keine effiziente Methode in den asymmetrischen Konflikten des 21. Jahrhunderts darstellt, wo man die Zivilbevölkerung von den Jihadisten trennen muss, um diese auszutrocknen.


Einen Abnutzungskrieg kann der Westen nicht gewinnen, da schon die personellen militärische Ressourcen fehlen und der politische Wille für die Zustimmung zu verlustreichen militärische Operationen nicht existiert, und die Politik Rücksicht auf die Stimmung in der Bevölkerung nehmen muss, die sich seit dem Ende des zweiten Weltkriegs an den „ewigen Frieden“ gewöhnt hat. Münkler bezeichnet diese Mentalität treffend als Postheroismus, da man sich scheut, für die Verteidigung von Wertvorstellungen Menschenleben zu riskieren. Und das führt zur Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen: Während der Westen bereits ins postheroische Zeitalter eingetreten ist, blühen in anderen Teilen der Welt heroische Mentalitäten auf materieller (Vielzahl der Söhne) und ideeller Grundlage (religiöse Vorstellungen). Der Jihadismus könnte somit auch als Herausforderung postheroischer Gesellschaften durch heroische Gesellschaften, mit den Folgeerscheinungen des asymmetrischen Konfliktes, verstanden werden, wobei der gewaltsame Jihadismus aber schon Schwierigkeiten hat, genügend šuhadā' für Selbstmordattentate zu rekrutieren, da nicht unbedingt jeder muǧāhid als Blutzeuge, ohne obligatorische Totenwaschung und mit seinem blutigen Hemd, direkt ins Paradies einfahren möchte. So rekrutiert der Jihadismus eben auch in Nervenheilanstalten (Irak) oder durch gezielte Vergewaltigung junger Frauen und Männer (Algerien), die diese „Schande“ nur durch einen Einsatz als Selbstmordattentäter bereinigen können, was der deontologischer Moral islamischer Gesellschaften geschuldet ist.


 



Weltweit gibt es ständig schwelende Konfliktherde. Was bedeutet Counterinsurgency, und ist es das strategische Allheilmittel der Konfliktvermeidung und Friedenssicherung?



Die Konflikte seit dem Ende des Zusammenbruches der Sowjetunion zeigen deutlich, dass das propagierte Nation Building im Kosovo, im Irak oder in Afghanistan höchstens zu einem State Building geführt hat, wo die Gesellschaft und die Wirtschaft nicht entwickelt oder aufgebaut wurde. Es existieren immer mehr Staaten wie der Yemen oder Somalia, die als Failed States zu neuen Konfliktherden werden, die militärische Interventionen notwendig machen werden.


Im Rahmen von Counterinsurgency stellt die militärische Bekämpfung nur einen Teilausschnitt dar, da flankierende politische und wirtschaftliche transformatorische Aufbauhilfe geleistet werden muss, da man keinen Konflikt mehr allein militärisch gewinnen kann. Langfristig muss wie in Afghanistan im Rahmen von “Transfer of Lead Security Responsibility” (TLSR) diese polizeiliche und militärische Aufgabe an lokale afghanische Sicherheitskräfte übertragen werden, da man nicht auf Jahrzehnte im Land bleiben kann. Auch wenn es mehr als fraglich ist, ob die lokalen Sicherheitskräfte nach Ausbildung durch „Operational Mentor and Liaison Teams (OMLT)“ diese Aufgabe überhaupt erfüllen können, da Besoldung und Ausrüstung vollkommen unzureichend sind.


 



Warum bietet sich Counterinsurgency gerade bei der Bekämpfung von Jihadisten an?



Erfolgreiche Counterinsurgency kann kurz- bis mittelfristig wirken, weil langfrsitg angelegte zivile transformatische Maßnahmen gleichzeitig erfolgen müssen. Für Counterinsurgency ist es entscheidend, von der Bevölkerung als Schutzmacht wahrgenommen zu werden, was ständige Präsenz im Raum und unablässige Angriffe auf jihadistische Kräfte erfordert, da wie in Afghanistan die Zahl der getöteten Jihadisten im Verhältnis zur Zahl der Kollateralschäden den Erfolg oder Misserfolg des militärischen Einsatzes bestimmt. Da die Jihadisten keine Kombattanten eines Völkerrechtssubjektes darstellen, fallen sie auch nicht unter den Schutz des Kriegsvölkerrechtes, sondern sind als klassische Partisanen anzusehen, womit andere Bekämpfungsregeln gelten, die die meisten gar nicht kennen wollen, wobei ich wegen der historischen Belastung des Begriffes Partisanenkrieg den Begriff „Kleinkriegsverbände“ nutze. In bellistischen Gesellschaften erzielt man nur Erfolge, wenn man bestimmt auftritt, so viele Gegner wie möglich tötet und sich als Schutzmacht profiliert. Und nicht durch eine Strategie der Abschottung der eigenen militärischen Kräfte von der Zivilbevölkerung und des Einsatzes massiver Bombenteppiche zur Vermeidung eigener Verluste, womit man die Zivilbevölkerung in die Arme der Jihadisten treibt, die insoweit schon den Medienjihad gewonnen haben, als man hier gar nicht mehr den Terror der afghanischen Taliban gegen die afghanische Bevölkerung wahrnimmt. Man könnte darüber sicher wieder ermüdende Debatten führen, aber als einer der letzten bekennenden politikwissenschaftlichen Hobbesianer interessiert mich nicht das, was man möchte oder wie etwas sein sollte, sondern das was ist.


 



Kann eine neue Kriegspraktik, wie Counterinsurgensy, Erfolge gegen Taliban bringen?



Counterinsurgensy kann, wie gesagt, nur innerhalb eines gewissen Zeitrahmens repressiv-militärisch geführt werden, wobei das Kinetic Targeting gegen hochrangige Talibanführer im pakistanischen Stammesgebiet mittels Predator- und Reaperdrohnen und „The Awakening“ als Counterinsurgency im Irak Erfolge gezeigt haben. Auch in Afghanistan beginnt man jetzt, lokale Stammesführer im Kampf gegen die Taliban zu unterstützen. Langfristig müssen unterstützende und transformierende politische und wirtschaftliche Komponenten hinzukommen, wobei man auf eine kurzfristige Implantation westlicher Staatsorganisationsmodelle, Werte- und Normensysteme, nicht hoffen kann. Vielmehr wird man froh darüber sein können, ein diktatorisches Regime zu errichten, welches die Konfliktparteien mit allen Mitteln in Schach hält, um das Zentrum durch die Befriedung der Peripherie zu schützen. Mag man das derzeit noch ablehnen, wird die weitere Entwicklung zeigen, welche Bekämpfungssmöglichkeiten man noch akzeptieren muss, wenn sich der Jihadismus ausbreitet und man in die Defensive gerät. Auch die Bundeswehr könnte eines Tages dazu gezwungen sein, Kinetic Targeting einzusetzen, was man in zukünftigen Strategieplanungen bedenken sollte. Ich selbst fasse, vor dem Hintergrund der sich immer mehr verzahnenden innen- und außenpolitischen Sicherheitspolitik als auszufüllenden Rahmen, die Eckpunkte einer Bekämpfungsstrategie unter dem Begriff LINE zusammen: Lokalisierung, Infiltrierung, Neutralisierung und Eliminierung, wobei ich bewusst den letzten Punkt eingefügt habe, da man darüber wird diskutieren müssen. Auch wenn man sich in Deutschland gerne vor solchen Diskussionen herumdrückt. Der militärisch gerechtfertigte Bombenangriff in Kundus hat gezeigt, wie die Bundeswehr beginnt, ihre Bekämpfungsstrategie in der von mir geforderten Art und Weise anzupassen. Die an Peinlichkeit nicht mehr zu überbietende Diskussion um den Bombenabwurf ist eine typisch deutsche Diskussion, die die Truppe verunsichert und im Ausland Verständnislosigkeit hervorruft. Der Krieg, das Leben und die Liebe sind eben keine Ponyhöfe. Und da helfen auch keine Pazifismus-Sentimentalitäten wie die der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland Käßmann zu Weihnachten, die sich lieber einmal eindeutig zu den Verfolgungen von Christen in islamischen Ländern äußern sollte.


 



Kann man mit Counterinsurgensy künftig auch gegen al-qā’ida vorgehen, die sich gezielt an den Jihadismus anlehnt?



Wie sich der lokal und international ausgerichtete Jihadismus entwickeln wird, kann niemand voraussagen. Was aber seit Mitte 2007 zu beobachten ist, ist die gezielte Rekrutierung junger Muslime und Konvertiten aus Deutschland, die sich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ausbilden lassen, und vermehrt nach Deutschland zurückkehren, um als „Europa Afghanen“ den „urbanen Jihad“ auszuüben. Das gilt auch für andere europäische Länder. Für das hybride globale Terrornetzwerk  al-qā’ida und ihm nahe stehender Gruppen haben zuletzt im September während eines Seminars in Kairo islamische Fachleute auf eine Weiterentwicklung im gewaltsamen und gewaltfreien Bereich hingewiesen. Primär eine neue junge Generation von al-qā’ida Anhängern wird vermutlich in Zukunft zur Analogie zur Muslimbruderschaft versuchen, den „Marsch durch die Opposition“ als politische Kraft durchzuführen, während der gewaltsame Jihad auch weiterhin eine Bedrohung darstellt, da er sich neue Verbündete suchen und neue Allianzen schmieden wird. Derzeit sieht man das in der mehrheitlich von Sunniten bewohnten iranischen Provinz Sistan und Belutschistan, wo al-qā’ida seit dem Sommer Kontakte zur Jundallah anstrebt, um auch im Iran an Einfluss zu gewinnen. Da die Provinz an Afghanistan und Pakistan angrenzt, kann sich hier ein Konfliktherd entwickeln, der auch die westlichen Truppen in Afghanistan bedroht. Daneben entwickelt sich der Süden des Yemen zu einem neuen Waziristan, was unter anderem Saudi-Arabien destabilisieren kann. Die Vereinigten Staaten haben aus diesem Grund seit längerem neben dem Nahen Osten und Afrika eine neue Front im Yemen eröffnet, was hier bis zum vereitelten Flugzeuganschlag im Dezember 2009 weitgehend unbekannt war. Der größte Erfolg für al-qāʿida wäre derzeit ein Rückzug der westlichen Truppen aus Afghanistan. Nicht nur, weil das Terrornetzwerk damit wieder ihre alte Operationsbasis zurückerhalten und die gesamte Counterjihadfront in der Region zusammenbrechen würde. Vielmehr würde dieser globale Medienerfolg zur Jihadisierung und Rekrutierung von jungen Muslimen in den westlichen Ländern in der Quantität eines bisher unbekannten Ausmaßes führen. So die übereinstimmende Einschätzung von Nachrichtendienstmitarbeitern.


Für Deutschland können folgende Bedrohungstrends genannt werden: steigender Einfluss von Einzelpersonen zur Rekrutierung, wachsender Einfluss von Konvertiten, steigende Zahl von Jihadzellen und wachsende Rolle von türkischstämmigen jungen Muslimen, die sich bisher weitgehend reistend gegenüber dem gewaltsamen Jihad gezeigt haben. Die bisher bekannten rund 184 Muslime und Konvertiten, die sich im Ausland haben ausbilden lasen, sind nur der Eisberg der jihadistischen Bedrohung, die in Zukunft einen „urbanen Jihad“ ausüben wird, was ich schon im Oktober 2008 in einer Analyse neben der neuen Bedrohungskategorie der „Europa Afghanen“ vorhergesagt habe.


Damit wird das Thema Jihad in all seinen Ausformungen und dessen Kampfdoktrinen auch auf nicht absehbare Zeit eines der bestimmenden Themen bleiben, worauf man in Deutschland gar nicht vorbereitet ist. Hier stehen wir erst am Anfang. Und es wird sich auf absehbare Zeit auch nichts an diesem Zustand ändern, da schon der Wille fehlt, diese Wissensdefizite auszugleichen. So befassen sich in den Vereinigten Staaten alle renommierten Militärakademien wie West Point täglich mit dem Medienjihad, während es in Deutschland schon bei der Bundeswehr keine entsprechenden fachlichen Ressourcen in ausreichender Zahl gibt, da das Thema politisch unkorrekt ist und man noch in den Bahnen klassischer Militärstrategie des Kalten Krieges verhaftet bleibt. Dabei markierte 2009 das 30. Jahr eines Konfliktes, dessen Ende wir gar nicht absehen können. Und der Jihad gegen den Westen hat dabei gerade erst angefangen.



Ich danke Ihnen für das Interview Herr Dr. Tartsch.



Ich habe Ihnen zu danken Frau Thanheuser.


 


Copyright und alle Rechte: Gehenna Buchverlag Thomas Tartsch


 


Vervielfältigung – auch in Auszügen – nur nach vorheriger Genehmigung


 


Michaela Thanheuser, geboren 1965 in Wien und nach ihrer Scheidung als alleinerziehende Mutter ganztags berufstätig in verschiedenen Sparten, wie in jenen der Unternehmens­beratung, medizinischer Bereich, neue Medien und nebenberuflich als Korrekturleserin von wissenschaftlichen Arbeiten.


 Letzte Veröffentlichung (2008): "Blond - aber nicht blöd. Seelenbogen einer Frau",  ISBN-13 : 978-3941147010


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


1.Teil des Interviews zu meinem neuen Jihadbuch
12.01.2010 17:44:14

Hier nun der 1. Teil des ausführlichen Interviews, welches die österreichische Buchautorin Frau Michaela Thanheuser mit mir geführt hat.


Weitere Informationen zum Buch sind auf der eigens dafür eingerichteten Homepage abrufbar.






„Die Dinge fallen auseinander. Die Mitte hält nicht mehr.“


[William Butler Yeats]


 


Herr Dr. Tartsch, was sind die Intentionen für Ihr neu erschienenes Buch, Ǧihād a-saġīr, Legitimation und Kampfdoktrinen?



Mein neues Buch besitzt zwei Intentionen. Zum einen bietet es eine verständlich geschriebene Einführung in grundlegende sunnitische Lehren des Jihad und des islamischen Kriegs- und Fremdenrechts (Siyar), die sich seit dem 7. Jahrhundert entwickelt haben und auch heute noch vom virulenten Jihadismus befolgt und ausgeübt werden. Diese Lehren sind selbst den meisten Muslimen unbekannt. Zum anderen empfehle ich einen Strategiewechsel im Rahmen von Counterinsurgency für die Auslandseinsätze der Bundeswehr, da man derzeit in Afghanistan verfolgen kann, wie man solche Einsätze nicht führt.


 



An welchen Thesen oder Fachleuten orientieren Sie sich?



Dabei folge ich primär Prof. Dr. Tilman Nagel, der nicht nur der international renommierteste deutsche Arabist ist, sondern gleichzeitig für eine Generation von Orientalisten und Islamwissenschaftlern, wie Dr. Rainer Glagow, Dr. Gerd-Rüdiger Puin, Prof. Dr. Ursula Spuler-Stegemann und viele mehr, steht, die noch in der Lage waren, intensives Quellenstudium zu betreiben, was man von den meisten anderen Orientalisten und Islamwissenschaftlern nicht behaupten kann. Islamwissenschaftler wie Frau Prof. Dr. Christine Schirrmacher stellen somit eine seltene Ausnahme dar. Vielmehr folgen heute die Majorität der Orientalisten und Islamwissenschaftler einem romantizistischen Islambild als Synthese aus ammām (Dampfbad) und arām (Harem), womit sie selbst Teil des Problems geworden sind, anstatt zur Problemlösung beizutragen. Das gilt für die Sozialwissenschaft in ihrem Arbeitsbereich der Migrations- und Integrationsforschung ebenso. Aus diesem Grund grenze ich mich explizit von der Mehrheit der heutigen Sozialwissenschaftler ab, die nicht mehr ihrer Aufgabe nachkommen, die Welt zu entzaubern und erklärbar zu machen, sondern sich lieber in Bereichen, wie dem idyllischen Multikulturalismus, dem bisher staatlich subventionierten Kampf gegen alles, was nicht mindestens linksradikal ist, und Gender Studies profilieren wollen.


Zum anderen folge ich im militärischen Bereich der rein an der Effizienz orientierten Sichtweise des israelischen Militärhistorikers Martin van Creveld, da die bisherigen ermüdenden moralinsauren Debatten über den Kriegseinsatz in Afghanistan jede Strategieänderung verhindert haben, womit sich der Einsatz für den Westen insgesamt in einen physischen, psychischen und die Staatshaushalte belastenden Abnutzungskrieg gewandelt hat, dessen Ausgang derzeit nicht zu prognostizieren ist. Dabei verdienen die eingesetzten Bundeswehrsoldaten nicht nur die moralische Unterstützung der Bevölkerung, sondern auch uneingeschränkte Rückendeckung von der politischen und militärischen Führung.




Warum ist der Jihad as-sagir gegenwartsrelevant und eine latente Gefahr für die Demokratie?



Es soll verdeutlicht werden, wie sich die religiöse- rechtliche Legitimation des gewaltsamen Jihad as-sagir (kleiner Jihad) seit dem 7. Jahrhundert entwickelt hat und wie die Kampfdoktrinen auch heute noch vom virulenten international und regional ausgerichteten Jihadismus angewendet und weiterentwickelt werden, da der Jihadgedanke seit über 1.400 Jahren eine Konstante der islamischen Historie darstellt, der Nichtmuslime und Muslime gleichermaßen bedroht. Auch wen der im Dialog immer angeführte gewaltlose Jihad al-akbar (großer Jihad) seine Berechtigung besitzt, war der Jihad as-sagir immer die bestimmende Form des Jihad in der islamischen Historie.


 



Auf welchen Grundlagen basiert Ihre Sicht und Definition des Jihad as-sagir?



Hierbei beziehe ich mich neben historischer Texte islamischer Gelehrter unter anderem auf die klassische Jihadliteratur von Sayyid Qutb, Abdessalam Faraj und Abdullāh Yūsuf ’Azzām und Texte aus der digitalisierten und sich internationalisierenden jihadistischen Cyber Umma, die ich nicht wie bei Kepel/Milelli oder Lohlker wissenschaftlich aufbereitet vorstelle, sondern bewusst mit allen Rechtschreib- und Zeichenfehlern so zitierte, wie seit Jahren hier in Deutschland im Umlauf sind oder im Internet veröffentlicht werden, um die Authentizität zu wahren. Deutschland ist bezüglich der Kenntnis der Jihadlehren, und den daraus erwachsenden Kampfdoktrinen von der Islamwissenschaft, über die Sicherheitsbehörden, bis zu den Streitkräften, ein Entwicklungsland, da man etwa nicht nur den Koran und die Prophetenbiografie, sondern auch die Ahadithsammlungen der Prophetentradition (Sunna) lesen sollte, wo in der Regel in deutschen Übersetzungen der jeweiligen Sammlung das Buch über den Jihad fehlt. Aus diesem Grund habe ich eine Auswahl entsprechender Ahadith in meinem Buch angeführt, wobei mir während meiner Arbeit der Zugriff auf einschlägige deutschsprachige islamische Webseiten gesperrt wurde, womit ich auf englischsprachige Seiten zurückgreifen musste, die aber in der Regel auch umfangreicher und detaillierter ausfallen.


 



Warum ist die westliche Welt gegenüber den Gefahren des permanent existenten Jihad so blind und unvorbereitet, und welche Rückschlüsse lassen sich aus den Ereignissen des 11. September 2001 ziehen?



Auch andere Länder haben die Gefahr durch den Jihadismus viel zu lange nicht ernst genommen. So war Daniel Pipes einer der wenigen, der schon 1995 vor der Kriegserklärung des „militanten Islam“ an Europa und die Vereinigten Staaten gewarnt hatte. Der 11. September 2001 hat den Westen vollkommen unerwartet getroffen, obwohl man seit dem zweiten Golfkrieg die sich anbahnende Gefährdung durch den Afghanistanveteranen Usāma Ibn Lādin hätte erkennen können, bevor er nach dem zweiten Golfkrieg von Saudi Arabien über den Sudan wieder nach Afghanistan ging, wo er 1998 zusammen mit Aiman a-awāhirī den Grundstein für das Terrornetzwerk al-qā’ida legte. Es hat sich bitter gerächt, dass man 1989 Afghanistan seinem Schicksal überlassen hat, nachdem die muǧāhidīn die sowjetischen Truppen, durch das Brechen der Lufthoheit durch von Amerika gelieferte Stinger Flugabwehrraketen, besiegen konnten. Der amerikanische Politikwissenschaftler Chalmers Johnson hat das „Blowback“ genannt, womit er die unbeabsichtigten Folgen politischer Maßnahmen gemeint hatte, die vor der Öffentlichkeit geheim gehalten wurden. Den 11. September 2001 kann man als „Rückstoß“ der früheren Unterstützung der muǧāhidīn bis 1989 und das Fallen lassen von Afghanistan nach 1989 charakterisieren, da man sich anscheinend keine Vorstellungen gemacht hat, welche Folgen dieser Sieg, im Zusammenhang mit dem Ende des Kalten Krieges, für die zukünftige globale Sicherheitslage haben würde. Denn 1989 ist nicht das auch von Fukuyama so nicht mehr vertretene „Ende der Geschichte“ eingetreten, sondern das Gegenteil: der schwindende Einfluss des westlichen Normen- und Wertesystems und der Verheißung der Marktwirtschaft, mit ihren Versprechungen von Demokratie und Wohlstand, vor der Folie neuer Konfliktherde, von denen die Bedrohung durch den Jihadismus nur eine von vielen darstellt, da der Jihadismus sowohl den inneren Jihad gegen die eigenen islamische Regierungen und den äußeren Jihad gegen den Westen und insbesondere Israel führt. Aber in einer globalisierten Sicherheitslage haben Entwicklungen in der islamischen Welt unmittelbare Auswirkungen auf den Westen, der immer mehr in die Defensive gerät. Auf der anderen Seite tragen auch die islamischen Länder eine ebenso große Schuld am virulenten Jihadismus, da sie die „Araber Afghanen“ nach 1989 nicht in die jeweilige Gesellschaft re-integriert haben, die dann zum Grundstock des globalen Jihadismus wurden. Man hätte Ibn Lādin frühzeitig eliminieren müssen. Das hat man unterlassen und muss nun mit den Folgen leben, da es nur noch um Eindämmung geht. Und nicht mehr um einen vollständigen Sieg über den Jihadismus, der sich lägst zu einer Bewegung entwickelt hat. So würde schon die Ergreifung oder Eliminierung von Ibn Lādin keinerlei Auswirkungen mehr auf das hybride und dezentral agierende Terrornetzwerk zeigen, welches sich verstärkt nach dem Prinzip des „Leaderless resistance“ organisiert.


 



Aus welchen Quellen speisen Sie ihre aktuellen Informationen?



Ich selbst informiere mich kaum noch aus deutschen Quellen, sondern bewege mich lieber fast jeden Tag in der jihadistischen Cyber Umma und nutze primär ausländische Quellen. Aus verständlichen Gründen werde ich mich hier nicht direkt über die bestehenden jihadistischen und anderen Netzwerke in Deutschland äußern, die man seit Jahren beobachtet, da sie hier täglich den gewaltsamen Jihad propagieren und vorbereiten oder den derzeit aus taktischen Gründen gewaltfreien Jihad ausüben. Als ein Ergebnis meiner Arbeit an meinem neuen Buch plädiere ich für einen breit gefassten Jihadbegriff, der etwa auch Da´wa als Jihad umfasst, da es hier auch um die Ausweitung islamischer Herrschaft und die Einführung shari’atischen Rechts geht, wobei Da´wa auch durch die Zakah (Läuterungsabgabe) finanziert werden kann (Sure 9, Vers 60).


 



Was halten Sie vom derzeitigen Dialog der Kulturen? Ist der Islam eine tolerante Religion, welche sich unserem westlichen Wertesystem und unserer Religionsfreiheit und -ausübung anpassen kann?



Es wird nirgendwo mehr gelogen als bei Jubiläen, Beerdigungen und im Dialog der Kulturen, der von einer Minderheit muslimischer „Dialogpartner“ beherrscht wird, während die Gegenseite sich zu Steigbügelhalter erniedrigt hat. Schon über die Übersetzung von „Islam gleich Frieden“ braucht man kein Wort verlieren. Aber auch eine Diskussion um die Bedeutungen „Unterwerfung“ oder „Ergebung in den Willen Allahs“, da man aufgrund der verschiedenen Gottesbilder im Christentum und Islam Allah nicht Gott nennen sollte, ist wenig hilfreich. Vielmehr muss man den Islam sowohl als individuelle spirituelle Gotteserfahrung als Religion, als auch eine von Allah selbst gestiftete und die ganze Lebenspraxis überformende Handlungsanleitung ansehen, die dem gläubigen Muslim die Entscheidung über die Folgen seiner Handlungen abnimmt, da die Ratio auf ein vom Koran und Sunna limitiertes Handlungsfeld beschränkt wird. Die Orthopraxis der Ritenausübung als Annäherung an die beste Gemeinschaft, die das Rechte gebietet und das Unrechte verbietet (Sure 3, Vers 110) wird damit zum einzigen Lebenszweck erhoben, was auch den Jihad umfasst, der eben nicht nur gewaltsam ausgeübt werden kann, wenn etwa Da’wa (Missionierung) eher zur Zielerreichung führt. Der gläubige Muslim selbst, der kritiklos und nichthinterfragbar die Ge- und Verbote der auf Koran und Sunna basierenden Shari’a als Annäherung an die medinensische Ur-Umma erfüllt, verdeutlicht die einzige von Allah dem Menschen zugedachte Daseinshaltung, indem er sein Gesicht unentwegt und in ewiger Dankbarkeit auf Allah ausrichtet (Sure 3, Vers 20 und Sure 30, Vers 30). Dieser beobachtet den Gläubigen jeden Augenblick seiner irdischen Existenz, was die als Thronvers bekannte Sure 2, Vers 255 explizit aussagt, da er alles in jedem Augenblick nach seinem Ratsschluss bestimmt. Damit erlangt nur der Anhänger der islamischen Religion ein Anrecht auf die Heilswirksamkeit und Heilsmächtigkeit, die durch die quasi Vergöttlichung des Propheten verdeutlicht wird, dessen Wirken als übergeschichtliche Wahrheit sich überall da einfügt, wo das kulturell-religiöse Langzeitgedächtnis aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft die Überlegenheit des Islam gegen andere Religionen propagiert, die nicht als gleichberechtigt gesehen werden. Diese Janusköpfigkeit des Islam als spirituelle Individualerfahrung und als total zu charakterisierende Handlungsanweisung wird im bisherigen „Dialog“ fast vollständig ausgeblendet.


 



Kann der Islam mit anderen Religionen und Ländern, wie beispielsweise Israel, im Dialog stehen und diese anerkennen?



Derjenige Muslim, der den Ruf zum Jihad annimmt und zum Jihadi wird, kann schon nach den einschlägigen Suren und Versen des Korans andere Religionen nicht als gleichberechtigt ansehen. So haben Poly- und Atheisten nach dem Schwertvers (Sure 9, Vers 5) nur die Wahl zwischen Konversion oder Jihad. Juden, Christen und andere „Buchbesitzer“ die Wahl zwischen Konversion, gegen Zahlung der jizya (Kopfsteuer) einen inferioren Status als immī (Schutzbefohlenen) neben der islamischen Gemeinschaft oder Jihad. So die als Kopfsteuervers bekannte Sure 9, Vers 29. Daran ändert auch das immer zitierte Satzfragment aus Sure 2, Vers 256 „keinen Zwang in der Religion“ nichts, da schon Sure 2, Vers 257 den Ungläubigen das ewige Höllenfeuer prophezeit. Hier ist kein westliches Verständnis der Religionsfreiheit „von“ und „zu“ einer Religion gemeint, sondern höchstens die Feststellung, man kann niemanden zur Annahme des Islam zwingen kann, was in der frühen Expansionsphase bis zur zweiten islamischen Dynastie der al-‘Abbāsīyūn Mitte des 8. Jahrhunderts auch nicht gewollt war, da die neue Religion rein arabisch bleiben sollte und es primär um Beute- und Sklavengewinnung ging. Wird die Herrschaft des Islam nicht anerkannt oder konvertiert, gelten die beiden angeführten Verse, wobei nach Meinung nicht weniger islamischer Gelehrter seit dem Mittelalter der Schwertvers alle „milden“ Aussagen gegen Juden und Christen aus der mekkanischen Schwächephase abrogiert hat. Sure 9, Vers 5 findet sich in einem großen Teil jihadistischer Veröffentlichungen als Legitimation zum Kampf gegen die Ungläubigen, was sowohl Nichtmuslime als auch Muslime meint, die mit den Zielen des Jihadismus nicht übereinstimmen. Durch den hohen Bodycount von Muslimen durch Anschläge des gewaltsamen Jihadismus verliert dieser an Zustimmung in der islamischen Welt, was aber nicht für den Jihad zur Vernichtung Israels durch Gruppen wie die lokal ausgerichtete HAMAS gilt, der vermehrt Zustimmung auch in den westlichen islamischen Diasporagemeinden findet.


 



Was legitimiert den heutigen Jihad und seine damit verbundenen Lebens- und Vorgehensweisen?



Insgesamt gesehen legitimieren sich die Veröffentlichungen des Jihadismus zu gut 90% mindestens durch die Zitierung einschlägiger Suren und Verse des Korans. Hinzu kommen die sich mit dem Jihad befassenden Ahadith der Sunna und Texte von den ’Ulama wie den Hanabli Reformer Ibn Taimīya (gest. 1328 n.Chr), den etwa Abdullāh Yūsuf ’Azzām ausführlich in seiner „Verteidigung der islamischen Länder als höchste persönliche Pflicht“ zitiert hat, um den Jihad in Afghanistan gegen die sowjetischen Truppen als fard al-ayn (individuelle und nicht delegierbare Pflicht für jeden Muslim islamisches Land durch den Jihad zu verteidigen oder zurückzuerobern) zu propagieren, womit global muǧāhidīn (die den Jihad ausüben) angeworben wurden. ’Azzām war einer der geistigen Wegbereiter für al-qā’ida und dessen global ausgerichteten Jihad, der als Verteidigunsjihad propagiert wurde und wird. Das ist nur eines von vielen Beispielen, die ich angeführt habe, die zeigen, wie der Jihadismus nicht die Religion missbraucht, sondern das ausübt, was in den Heiligen Quellen und in anderen Werken wie den Rechtsbüchern angemahnt  und ausführlich beschrieben wird.


 



Was meinen wir tatsächlich, wenn wir von „Islam“ sprechen? Welche Rolle spielt er im privaten Leben des Gläubigen, wie auch auf staatlicher Ebene?



Wenn wir „von dem Islam“ oder „der Islam“ sprechen, meinen wir damit in globaler Perspektive eine Ausprägung der Religion durch eine vorher nicht gekannte Islamisierung bestehender und eroberter Gebiete bis ins 10 Jahrhundert, die auch heute noch propagiert wird und in der globalen Perspektive quantitativ die vorherrschende Religionsauslegung darstellt. Damit wird nicht nur das Leben des einzelnen Gläubigen, sondern auch der Staat total erfasst, womit es nicht um die persönliche spirituelle Erfahrung des einzelnen Gläubigen geht, sondern um einem aus dem Ritenvollzug sich ergebenden Regelanspruch, der nach shari’atischem Recht Din und Daula, Ritenausübung und weltlichen Staat umfasst. Die Umma wird nach traditioneller islamischer Vorstellung durch das von Allah den Menschen auferlegte Gesetz (Shari’a) errichtet und aufrechterhalten, welches diesen in Form von Koran und Sunna übergeben wurde. Damit besteht die einzige Daseinsberechtigung des islamischen Gemeinwesens in der Gewährleistung der Erfüllung der Ge- und Verbote als Annäherung an die medinensische Ur-Umma, wozu auch die Ausübung des Jihad zählt, was man nicht oft genug wiederholen kann.


 



Der gläubige Muslime fühlt sich seiner Umma, seiner Diaspora, seiner Shari’a - also seinem eigenen Gesellschafts- und Wertegefüge extrem zugehörig. Wieso schottet er sich deshalb von der westlichen Gesellschaft ab, und was hat das explizit mit dem Jihad zu tun?



Durch die Sakralisierung aller Lebensbereiche, die persönliche, soziale und politische Sphäre zu einer Monokratie nach dem Vorbild der Ur-Umma verklammert, wird im Inneren ein archaisch-paternalistisches Kontroll- und Ordnungssystem mittels vormoderner Glaubenssätze konserviert, welches in der Diaspora vermehrt zur sozialen Identitätsbildung und Bindung an tribale Vergemeinschaftungsformen führt, die die Bildung paralleler Strukturen neben und gegen die Aufnahmegesellschaft nach außen vorantreibt, was man auch als eine Form des Jihad charakterisieren kann. Solange sich diese Ausprägung nicht der rational-historisierenden Deutung bezüglich des Handelns des Propheten öffnet und elementare Stellen der Überlieferungen im Koran und Sunna, die zum gewaltsamen Jihad aufrufen, für eine Privatisierung, Rationalisierung und Individualisierung außer Kraft gesetzt werden, wird sie auch nicht zu integrieren sein. Denn nach dieser Ausprägung muss der Jihad gegen das Dār al-Harb (Haus des Krieges) bis zur endgültigen Einverleibung in das Dār al-Islām (Haus des Islam) oder bis zum jüngsten Tag ausgeübt werden. Denn nach klassisch-islamischen Rechtsdenken kann es keinen Friedensvertrag zwischen beiden Häusern geben, sondern nur einen zeitlich begrenzten Waffenstillstand (Hudna) aus strategischen Gründen, der jederzeit gebrochen werden kann, wenn sich etwa die militärische Unterlegenheit der Muslime in eine Überlegenheit wandelt.


 



Ist der Islam für gesellschaftliche, wirtschaftliche und (sozial-) politische Heraus­forderungen unserer heutigen Zeit modernisierbar, reformierbar?



Würde eine Reformierung erfolgen, müsste man sich fragen, ob es dann überhaupt noch „der Islam“ wäre. Oder etwas ganz anders, was ja auch für einen wie immer gearteten „Euro Islam“ gelten würde, da dieser nicht einfach durch eine Aufsplittung der Shari’a in den Bereich der Ritenausübung (al-'ibadat) und den Bereich der Rechtsbeziehungen (al-mu’āmalāt) entstehen würde, was schon Atatürk versucht hat durchzusetzen. Derzeit sollte man darauf keine großen Hoffnungen setzen, da keine Anzeichen für eine aus dem Inneren kommende Reformierung zu erkennen sind, die eine breite Massenwirkung erzielen könnte. Und das nicht nur wegen der nicht gegebenen Existenz einer übergeordneten religiösen Autorität, die für Sunniten und Schiiten sprechen könnte. Von den vielfältigen anderen islamischen Ausprägungen ganz zu schweigen, die oft von anderen Strömungen nicht anerkannt werden. Auch diese Frage mit ihren weitreichenden Folgen wird in Deutschland fast nicht thematisiert.


 



Europäische, aber auch deutsche, Städte verändern sich – es entwickeln sich Ghettos und ortsspezifische Merkmale muslimischer Kultur. Was ist der eigentliche Grund für jene soziale, religiöse und wirtschaftliche Abschottung?



Am besten kann man das vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung am Beispiel einzelner Stadtteile verdeutlichen. Während es in den letzten Jahrzehnten zu einer sektoralen sozialen Segregation kam, da der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit führte, kann man heute die Weiterentwicklung einzelner Stadtteile hin zu einer mehrkernigen ethnisch-religiösen Segregation beobachten, die sich immer mehr zu Vierteln der klassischen orientalischen Stadt entwickeln, wo Stadtteile nach ethnischen, religiösen Merkmalen und tribalen Verbindungen getrennt sind. Hier gilt vermehrt der Grundsatz „al-walā’ wal-barā’a.“ Gemeint ist damit, sich von allen Nichtmuslimen fernzuhalten und die Nähe von Muslimen zu suchen und diese im Notfall gegen Nichtmuslime zu unterstützen. Schon heute zeigt die Alltagsrealität in Stadtteilen wie Duisburg-Marxloh oder Städten wie Bergkamen die Zukunft von immer mehr urbanen Gegenden, wo archaisch-patriachalische und rigide religiöse Verhaltensweisen und normative Erwartungshaltungen den öffentlichen Raum dominieren. Und die Zahl dieser islamischen Submilieus mit eigener Werte- und Rechtsordnung wird in Zukunft stetig anwachsen, was langfristig das soziale Gefüge in Deutschland erodieren wird. Und das nicht nur, weil der Staat hier sein Monopol der legitimen physischen Gewaltsamkeit (Max Weber) kampflos aufgibt, womit rechtsfreie Räume entstehen.


 



Wo liegen die Wurzeln und Vorbilder der starken Gemeinschaft der Muslime?



Vorbild bleiben die Taten des Propheten seit der Hidschra 622 n.Chr. mit der sich nicht nur in der medinensischen Stärkephase die islamische Religion ausgebildet hat, sondern sich auch eine neuartige Glaubens- und Kampfgemeinschaft etablierte. Diese neuartige Vergemeinschaftungsform ersetzte die bisherigen tribalen und verwandtschaftlichen Loyalitäten durch den unbedingten Glauben und Einsatz an und für Allah, womit Rechten und Pflichten durch die Angehörigkeit zur sozialen Kategorie „Muslim sein“ determiniert wurden. Der Jihad selbst entwickelte sich aus den damals üblichen Raub- und Beutezügen der vorislamischen Beduinenstämmen seit 623 n.Chr., die neben der Entrichtung der Zakah als religiöse Grundpflicht einer der fünf Säulen des Islam der materiellen Versorgung der Gemeinschaft diente. Erst mit dem überraschenden Sieg der sich aus einem Karawanenüberfall entwickelnden Schlacht bei Badr 624 n.Chr., wo die Muslime den Mekkanern ca. 1:3 unterlegen waren, erhielt der Jihad als imperial-expansives Mittel der Ausbreitung islamischen Rechts und islamischen Herrschaftsgebietes seine ersten Konturen, deren Kampfdoktrinen durch die islamische Jurisprudenz ausgearbeitet wurden. Seinen Niederschlag fanden diese Ereignisse bei Badr in der 8. Sure, die wie der größte Teil des Korans eine Reflexion zu damaligen Ereignissen darstellt, womit man den Koran als historisches Dokument aus sich selbst heraus interpretieren muss, wobei es unerlässlich ist, auch andere Werke wie die Prophetenbiographie hinzuzuziehen. Heute pendelt das Bild des Propheten zwischen den Polen Vergöttlichung und Verdammung, was beides die Romantik der Gefühle anspricht, uns aber nicht weiterhilft, will man über eine mögliche Modernisierung der Religion diskutieren.


 



Kann man den Jihad mit dem Heiligen Krieg gleichsetzen?



Jihad selbst bedeutet eben nicht „Heiliger Krieg“, sondern ist nach islamischer Lehre die einzig erlaubte (auch gewaltsame) äußerste Anstrengung auf dem Weg Allahs zur Ausweitung islamischer Herrschaft und islamische Rechts, die nach einem Ausspruch des Propheten nach der Einnahme von Mekka 630 n.Chr. nur mit Niya (frommer Absicht) geführt werden soll. Hierbei soll der Jihad in der Regel durch den islamischen Herrscher geführt werden, während die Umma genügend Glaubenskämpfer bereitstellen muss, was als kollektive fard al-kifaya (Pflicht der genügenden Anzahl) bezeichnet wird, womit die Umma ihre Verpflichtung erfüllt. Ansonsten sind in der Regel Kriege der Muslime untereinander verboten, wobei dies nicht gilt, wenn der Krieg von Muslimen gegen Muslime geführt wird, die man in den Unglauben entlassen hat (Takfīr), was in der islamischen Historie eher die Regel als die Ausnahme darstellte. Das zeigen schon die Auseinandersetzungen um die Nachfolge des Propheten, die zur Schia in Sunniten, Schiiten und der Abspaltung der fanatischen Glaubenskämpfer der awāriǧ führte, die die erste islamische Reformbewegung darstellten und heute noch als Ibaditen und Mozabiten existieren, ohne noch Einfluss zu besitzen. Die meisten Problemlagen in der islamischen Welt besitzen ihren Ursprung nicht in den Kreuzzügen und dem Kolonialismus, sondern in historisch gewachsenen innerislamischen Auseinandersetzungen und der Unfähigkeit der islamischen Regierungen, diese lösen zu wollen. Mag das der kollektive Selbsthass in der westlichen Welt auch anders sehen, der die Minderwertigkeitskomplexe der islamischen Welt immer wieder bestärkt, die das ständige Beleidigt sein eines Teils der Muslime zu immer groteskeren Formen aufputscht, was bis zur Ermordung von islamkritischen Menschen wie Theo van Gogh und den versuchten Anschlag auf Kurt Westergaard im Dezember 2009 führen kann, wobei diese Taten auch als eine Form des Jihad anzusehen sind.


 



Die westliche Dichotomie Islam – Islamismus wird, nach genauem Hinterfragen und Verständnis für die historische Entwicklung des Islam und seine tatsächliche Deutung, demnach nur irreführend und irrelevant?



Man muss grundlegend eines klarstellen. Die westliche Dichotomie in einen Islam und einen die Religion missbrauchenden Islamismus bringt keinen Erkenntnisgewinn, um daraus Handlungsmaximen ableiten zu können. Es ist vielmehr eine westliche Projektion aus Unkenntnis, da schon das Wort „Fundamentalismus“ keine Entsprechung im Arabischen besitzt, womit man sich mit Lehnübersetzungen behilft, um überhaupt eine Definition an der Hand zu haben, da vielfältige Ausprägungen der Religion existieren, die sich im Innenverhältnis durch eine ausgeprägte Binnendifferenzierung auszeichnet. Ich nenne das den „Apfel-Birnenkuchen Schwindel“, da man den Menschen zwei Apfelkuchen mit der Aufschrift „Islam“ und „Islamismus“ präsentiert, wobei der Islamismus Apfelkuchen als Birnenkuchen deklariert wird, da etwa der gewaltsame Jihadismus nichts mit der Religion zu tun habe soll, was der Unwahrheit entspricht. Vielmehr gibt es nur einen großen Apfelkuchen, dessen einzelne Stücke islamische Ausprägungen darstellen. Versuchen sie einmal Usāma Ibn Lādin zu erklären, er wäre ein die Religion missbrauchender Islamist. Er würde Ihnen wohl seine Kalaschnikow an die Schläfe setzen, da auch er ein gläubiger Muslim ist, der einer bestimmten Auslegung der heiligen Quellen folgt, die man bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen kann. Das muss man anerkennen, wenn man Ursachenforschung über den Zusammenhang zwischen der Religion und religiös-rechtlich legitimierter Gewalt betreiben will. Auch in einem Dialog, der seinen Namen verdient, muss erst das Trennende benannt werden, um dann einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, auf dem aufgebaut werden kann. Schon Platon hat sich hierzu treffend geäußert: „Also muss jemand, der einen anderen täuschen will, ohne dabei selbst getäuscht zu werden, die Ähnlichkeit der Dinge und ihre Unähnlichkeiten genau auseinanderhalten" .



Copyright und alle Rechte: Gehenna Buchverlag Thomas Tartsch


Vervielfältigung – auch in Auszügen – nur nach vorheriger Genehmigung


 


 




Das Massaker in Fort Hood als Bestätigung der Thesen meines neuen Buches über den Jihad as-sagir.
13.12.2009 10:10:14

Während Deutschland im Bereich der Kenntnisse über die Kampfdoktrinen des Jihad as-sagir bei Sicherheitsbehörden und Bundeswehr ein Entwicklungsland ist, ist man in den Vereinigten Staaten schon weiter. Das Massaker in Fort Hood bestätigt meine Thesen, wie man hier nachlesen kann.

Am 13.11.2009 erscheint die neue OHL "Krieg der Kulturen"
25.10.2009 11:15:26

Kurz vor dem 30jährigen Bandjubiläum im Janur 2010 veröffentlicht Oberste Heeresleitung (OHL) mit "Krieg der Kulturen" nach drei Jahren Pause endlich wieder eine neue CD mit eindeutiger Botschaft. Seit 1980 stellt sich "Deutscher W" als Kopf und Sänger von OHL eindeutig gegen jede Form des politischen und religösen Extremismus und Fanatismus:


"OHL bekämpft jede Form von politischem Extremismus und religiösem Fanatismus. Rechte, linke und religiöse Systeme, die sich zur Staatsform erheben, haben nur die Unterdrückung und Manipulation des Volkes zum Ziel. OHL stellt sich ebenfalls gegen jene blinde und taube Masse von Ignoranten, die die Realität nicht sehen kann oder will."


Mehr braucht man nicht zu sagen. Nie Zeit darauf verschwenden, was andere über einen "denken", sondern immer seinen eigenen Weg gehen. Als Anheizer gibt es "Kein Gottesstaat" .











Kommentar: Russisch-orthodoxer Priester flieht vor Gewalt aus Bochum
24.10.2009 14:25:17

Die in der Anwendung von körperlicher Gewalt endende jahrelange Terrorisierung eines russisch-orthodoxen Priesters, der jetzt mit seiner Familie aus Bochum flieht, erscheint zunächst als „Einzelfall“.


Aber die Vorgänge ereigneten sich in Bochum-Querenburg, einem Stadtteil, der in „islamistischer“ Hinsicht den Sicherheitsbehörden bekannt ist. Aber nicht nur dort, sondern auch an der angrenzenden Ruhr-Universität existieren „islamistische“ Umtriebe.
So hat noch nach dem 11.09.2001 ein türkischstämmiger Student, der Mitglied der Millî Görüş war, Werbung für das inzwischen eingestellte Magazin „Explizit“ der in Deutschland seit 2003 verbotenen „izb at-Tarīr“ (Partei der Befreiung) im muslimischen Gebetsraum an der Ruhr-Universität getätigt, wobei er unter anderem zu den Organisatoren des Freitagsgebetes an der Universität gehörte.
Zudem bestanden persönliche Kontakte zu dem in Wien lebenden Shaker Assem. Assem ist ein aktuell in Österreich tätigen Funktionär und „Mediensprecher“ der HaT, der im März 2008 während einer Veranstaltung in Wien unter anderem die Wiederherstellung des 1924 von Atatürk abgeschafften Kalifates propagierte. Auch der „Islamische Studierenden Verein an der RUB“ (ISV) ist u.a. mit der „Internationalen Muslimische Studenten Union e.V. – Aachen“ (IMSU) im  "Rat Muslimischer Studierender & Akademiker" (RAMSA) vertreten ,die im „Islamischen Zentrum Aachen“/Bilal Moschee“ (IZA) ansässig ist. Das IZA gilt als syrischer Ableger der Muslimbruderschaft. Sie ist ebenso wie die zum ägyptischen Zweig der Muslimbruderschaft zugerechnete „Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.“ (IGD) mit Hauptsitz im „Islamischen Zentrum München“ (IZM) Mitglieder im „Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.“ (ZMD). Ebenso betete Ziad Jarrah, einer der Todespiloten des 11.09.2001 in einer dem Sicherheitsbehörden bekannten Bochumer Moscheegemeinde, während er seine Freundin besuchte, die an der Ruhr-Universität Medizin studierte.
In diesem Umfeld erhalten die Vorgänge eine vollkommen andere Bedeutung, da in Deutschland ein christlicher Priester nach derzeitigem Ermittlungsstand möglicherweise von muslimischen Jugendlichen terrorisiert und körperlich angegriffen wurde. Das fügt sich in globaler Sicht in die ständig steigende Verfolgung von Christen in muslimischen Ländern ein. Denn schon heute stellen Christen die am meisten verfolgte Glaubensrichtung dar. So auf dem Malediven, ein islamischer Staat, wo nur Muslime maledivische Staatsbürger werden können und nach Ländern wie Saudi-Arabien und dem Iran erbittert Christen verfolgt werden. Oder die antichristliche Stimmung in der Türkei, wo nach einer vor kurzer Zeit erschienen Umfrage jeder dritte türkische Befragte keinen Christen als Nachbarn haben will (und fast jeder zweite Befragte keinen Juden). Oder im Irak, wo eine Stadt wie Basra heute schon als „christenrein“ gilt. Nur in den kurdischen Gebieten des Irak können Christen noch in Sicherheit leben.
Der assyrische Priester Emanuel Youkhana beklagt unter dem Eindruck der größten Christenverfolgung in der Historie des Irak schon lange die fehlende Solidarität der Christen in Europa und warnt vor dem Irrglauben, hier könne es nicht zu Christenverfolgungen kommen, wenn das Christentum im Orient zerstört wurde, da der militante Islam hier nicht haltmachen wird. Seine Warnung „Erst wir, dann ihr“ sollte ernst genommen werden.
Wo bleibt jetzt der Aufschrei der multikulturalistischen Apartheitsfanatiker und „Berufsempörer“ (Peter Sloterdijk), die sonst wie pawlowsche Hunde immer „Islamophobie“ und „Rassismus“ bellen, wen etwas nicht ins beschränkte Weltbild passt? Oder die Solidaritätsbekundungen der vom „Dialüg“ berauschten Kirchenvertreter, die sich zu Steigbügelhalter des „Islamismus“ degradiert haben? Da bleibt es verdächtig ruhig. Dann lieber wieder einmal, wie in Bochum vor ein paar Jahren geschehen, den Geburtstag des Propheten in evangelischen Kirchen feiern. Oder die Raketenangriffe der HAMAS auf Israel als „Aufschrei eines seit Jahrzehnten unterdrückten Volkes“ rechtfertigen. So Anfang 2009 ein schon aus dem „Dialüg“ einschlägig bekannter Pfarrer aus dem Kreis Recklinghausen in einem Leserbrief vor dem Hintergrund der israelischen Militäroffensive „Miwtza Oferet Jetzuk“ (gegossenes Blei) gegen HAMAS.
So oder so wäre es interessant, mehr über die Hintergründe und Motivationen der Täter zu erfahren, da weitere Fälle von Gewalt gegen christliche Würdenträger in Deutschland zu befürchten sind. Nicht zu vergessen der ständig steigende eliminatorische Judenhass in der muslimischen Gemeinschaft in Deutschland, der insbesondere mit "religiösem Fundamentalismus" zuammenhängt.













 


























Warum wir ein Kopftuchverbot an den Schulen benötigen
21.10.2009 10:12:03

Näheres kann man hier nachlesen.

Deutsches al Qaida Dorf in Waziristan
28.09.2009 14:08:36

Nach neuesten Informationen existiert im von den pakistanischen Taliban kontrolliertem Stammesgebiet Waziristan in der Nähe zu Afghanistan ein "Jihad Dorf" mit deutschen Muslimen und Konvertiten (samt Familien), die seit Anfang des Jahres vom  "Islamic Movement of Uzbekistan" (IMU) in Deutschland (wo die IMU durch mehrere jihadistische Zellen vertreten ist) für Anschläge in Afghanistan rekurtiert wurden. Geworben wurden sie unter anderem von Mounir Chouka (Kampfname: Abu Adam), einem 24jährigen Muslim aus Bonn-Kessenich, der zusammen mit seinem Bruder und Bekkay Harrach durch mehrere Internetvideos vor der Bundestagswahl einen gewissen Bekanntheitsgrad erlang hat. Chuoka war zuletzt in einem Rekrutierungsvideo zu sehen, wo auch das Jihad Dorf gezeigt wurde. Nach Absolvierung seines Grundwehrdienstes arbeitete er drei Jahre beim Bundesamt für Statistik und wollte 2007 angeblich eine Stelle in Saudi-Arabien antreten, wobei er vermutlich stattdessen ein Trainingscamp der al Qaida im Yemen absolvierte. Die Anziehungskraft des Jihad für deutsche Muslime und Konvertiten verdeutlichen derzeit auch die Verhandlungen der Bundesregierung mit Pakistan über die Freilassung von sechs inhaftierten Deutschen (unter ihnen auch ein "Adrain M." mit seiner Familie, die seit März Deutschland verlassen hatten und beim Grenzübergang vom Iran nach Pakistan verhaftet wurden), die zumeist mit ihren Familien auf dem Weg in das Jihad Dorf waren. Nach den Worten eines hohen pakistanischen Sicherheitsbeamten mit Kontakten zu al Qaida befinden sich derzeit eine Reihe von deutschen Mudschahiddin in Pakistan, wozu auch immer mehr schwedische Konvertiten hinzukommen, die den Jihad ausüben wollen. Nach seinen Worten kommen sie nicht nach Pakistan, weil der Vater Muslim ist, sondern weil sie es so wollen und "alles für den Islam" tun würden. Damit hat sich die seit MItte 2007 zu beobachtende Rolle von deutschen Konvertiten für das hybride Terrornetzwerk al Qaida bestätigt. Sie stellen neben Re- oder Newborn Muslimen derzeit das höchste Gefahrenpotential des gewaltsamen Jihadismus dar, die durch ihre ethnische Herrkunft bei Anschlägen auf das ISAF Kontingent  der Bundeswehr besonders gefragt sind, da sie unauffällig in die Nähe deutscher Soldaten gelangen können. Zumal Mudschahiddin wie Mounir Chouk ihr beim Grundwehrdienst erlangtes militärisches und taktisches Wissen an neue Jihadkämpfer weitergeben, die Anschläge auf Grundlage dieser Informationen planen können.

Kommentar: Afghanistan
05.09.2009 09:17:44

Wenn führende Politiker heute noch von einem "robusten Stabilisierungseinsatz" der Bundeswehr in Afghanistan sprechen, spiegelt das nicht nur pure Realitätsverweigerung wieder, sondern auch rationale Desinformation des Wahlvolkes vor der Bundestagwswahl. Die eingesetzten ISAF Kontingente der Bundeswehr befinden sich seit Beginn des Einsatzes im Krieg. Und die politische und militärische Führung hat es aus Unkenntnis über den Gegner und die Rücksichtnahme auf die Stimmung in Deutschland versäumt, eine entsprechende Einsatzstrategie zu entwicklen, da die Bundeswehr mit an der Realität vorbeigehenden Einsatzbefugnissen und vollkommen unzureichender Man- und Firepower in diesen Einsatz geschickt wurde.
Schon seit Jahren sprechen Lageberichte oberster Behörden von der auf Sicherheitsaskpekten zurückzuführenden Abschottung militärischer Kräfte, die zu einer wachsenden Distanzierung der Zivilbevölkerung geführt hat. Damit werden ISAF und die Truppen der Anti-Terror-Koalition (ATK) schon lange nicht mehr als Garant für einen andauernden Frieden, raschen Wiederaufbau und wachsenden Wohlstand angesehen. Sondern vielmehr treiben die mit hohem Bodycount unter der Zivilbevölkerung durchgeführten Bombenangriffe auf jihadistische Gruppen diese vermehrt in die Arme der afghanischen Taliban, obwohl die überwiegende Mehrheit der Afgahnen die jihadistischen Kräfte ablehnt.
Die AF-PAK (Afghanistan-Pakistan) Strategie der Obama Administration erzielt keinen Erfolg, da zwar weniger Luftangriffe geflogen werden, diese aber quantitaiv immer mehr zivile Opfer fordern. Ebenso haben die Niederlage der al Qaida im Irak und die forcierte Bekämpfung der pakistanischen Taliban im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet zu einem ausweichen ausländischer Mudschaheddin nach Afghanistan geführt. Heute existiert in Afghanistan nach den "Araber Afghanen" der ersten al Qaida Generation eine neue "Internationale der Mudschaheddin" in Afghanistan, unter denen sich vermehrt junge Muslime und Konvertiten aus Deutschland befinden, deren Werbung für die Teilnahme am Jihad man jeden Tag ungehindert im Internet ansehen kann. Viele dieser "Europa Afghanen" kehren in ihre Heimatländer zurück, um in Zukunft hier den "urbanen Jihad" auszuüben.
Die Sicherheitslage in Afghanistan verschlechtert sich kontinuierlich und signifikant seit 2008. Das Land gilt heute als Staat mit der höchsten Gefährdung und dem höchsten Anschlagrisiko für alle vor Ort befindlichen militärischen und zivilen westlichen Kräfte. Die Bundeswehrsoldaten selbst stehen immer mehr im Zielspektrum regional ausgerichteter und international agierender jihadistischer Strukturen, da erfolgreiche (Selbstmord-)Attentate als erfolgversprechendes Mittel angesehen werden, die amtierende deutsche Regierung zu schwächen und einen Rückzug der Bundeswehr zu forcieren. Dabei haben die afghanischen Taliban schon den Medienkrieg gewonnen, da der Terror gegen die afghanische Zivilbevölkerung durch diese hier kaum wahrgenommen wird. Die Bundeswehrsoldaten selbst leiden unter dem im besten Fall mit Desinteresse wahrgenommenen Kriegseinsatz, während in Deutschland selbst durch linksextreme Gruppen ungestraft gezielt zu Gewalttaten gegen Gesundheit und Leben von Bundeswerangehörigen aufgerufen wird. So geschehen im Sommer. Wo ist hier das Medienecho und der Aufschrei der Bevölkerung geblieben?
In Zukunft muss man vermehrt mit einem steigenden Bodycount deutschen Soldaten rechnen, wobei ein überstürzter Abzug das Land in ein neues Chaos stürzen würde. Militärisch wird man den Krieg in Afghanistan nicht gewinnen. Aber es kann im Rahmen erfolreicher Counterinsurgency erst einmal nur darum gehen, soviele Jihadisten bei gleichzeiitger Minimierung ziviler Opfer zu neutralisiern, damit die westlichen Militärkräfte als Schutzmacht angesehen werden, wobei eine ständige Präsenz im Raum flankierend erfolgen muss, womit das Prinzip der bisherigen Abschottung aufzugeben ist, um die Trennung von Jihadisten und Zivilbevölkerung zu erreichen. Eine Übertragung der Counterinsurgency im Irak durch "The Awakening" (ständige Präsenz militärischer Kräfte im Stadtbild und Unterstützung lokaler Stammesfürsten im Kampf gegen jihadistische Kräfte) wird man hierbei nicht 1:1 durchführen können.
Aber es wird immer schwieriger, durch die seit Jahren unterlassene Aufklärung über Sinn und Zweck des Einsatzes der Bevölkerung zu erklären, warum vermehrt deutsche Soldaten in einem Land fallen, welches mittels der Sha´ria regiert und nie zu einem Land nach westlichen Demokratievorstellungen werden wird. Regiert von einem Präsidenten ohne Autorität außerhalb von Kabul, dem immer wieder Korruption und Verwicklung in den Drogenhandel vorgworfen wird.
Dabei verdienen die im Einsatz befindlichen Soldaten jeden möglichen Rückhalt und jede Unterstützung durch Politik, militärische Führung und Bevölkerung. Denn sie setzen Leben und Gesundheit für die Freiheit unseres Landes und für die Verbesserung der Lage der afgahnischen Bevölkerung ein.

August 2009 verlustreichster Monat des bisherigen Afghanistaneinsatzes - 2009 schon jetzt verlustreichstes Jahr
01.09.2009 09:10:22

Mit 77 gefallenen Soldaten im August 2009 (August 2008: 46 gefallene Soldaten) müssen die in Afghanistan eingesetzten westlichen Truppen ihren bisher verlustreichsten Monat des bisherigen Agfghanistaneinsatzes verzeichnen. Gleichzeitig ist mit 307 gefallenen Soldaten im Jahr 2009 der Bodycount gefallener Soldaten aus dem bisherigen verlustreichsten Jahr 2008 (294 gefallene Soldaten) übertroffen worden, womit die Entwicklung der letzten Jahre bestätigt wurde (2001: 12 gef. Soldaten, 2002: 69 gef. Soldaten, 2003: 57 gef. Soldaten, 2004: 59 gef. Soldaten, 2005: 131 gef. Soldaten, 2006: 191 gef. Soldaten, 2007: 232 gef. Soldaten). Auch wenn die eingesetzten deutschen ISAF Kontingente im bisherigen Einsatz einen niedrigen Bodycount von 33 gef. Soldaten zu verzeichnen haben, bleibt die konkrete Anschlagsgefahr weiterhin bestehen. Auch wenn das von den afghanischen Jihadisten propagierte Ziel eines großen Anschlages vor den Bundestagswahlen, um den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan durch Druck der öffentlichen Meinung auf die politisch Verantwortlichen zu beschleunigen, aufgrund fehlender Man- und Firepower eher zweitrangig anzusehen ist, wobei man dieses letzten Endes nicht ausschließen kann. Denn auch ein Anschlag mit niedrigem Bodycount auf deutsche Ziele in Afghanistan kann bei der herrschenden Realitätsverweigerung in Teilen der Politik, die den Krieg nicht als Krieg bezeichnen, das bisherige Desinteresse und die wachsende Ablehnung der Bevölkerung durch unterlassene Aufklärung über Sinn und Ziel des Einsatzes in eine Wahlentscheidung für die Gegner des Afghanistaneinsatzes bei der Bundestagswahl umschlagen lassen. Madrid 2004 hat das anschaulich verdeutlicht.

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